Werner von Siemens – Deutscher Erfinder und Industrieller

Portrait des Werner von Siemens um 1885

Portrait des Werner von Siemens um 1885 (Foto: Siemens AG)

Werner von Siemens wurde als Ernst Werner Siemens geboren

Ernst Werner Siemens, ab 1888 Werner von Siemens, wurde am 13. Dezember 1816 in Lenthe, heute Teil von Gehrden, bei Hannover, im Königreich Hannover geboren. Siemens war das vierte von vierzehn Kindern der Familie Siemens, einer alten Goslarer Familie, deren Stammbaum bis ins Jahr 1384 zurückreicht. Sein Vater war der Gutspächter Christian Ferdinand Siemens (31. Juli 1787 – 16. Januar 1840) und seine Mutter war Eleonore Henriette Deichmann (1792 – 8. Juli 1839). Das Geburtshaus von Ernst Werner Siemens, das Pächterhaus auf dem Obergut in Lenthe, beheimatet heute eine Dauerausstellung, die sein Leben nachzeichnet. Von Siemens war nicht nur Erfinder, sondern auch der Gründer des Elektro- und Telekommunikationsunternehmens Siemens. Die SI-Maßeinheit, die sogenannte  Siemens-Einheit für den  elektrischen Leitwert, wurde nach Werner von Siemens benannt.

Vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule, das von Karl Friedrich Schinkel entworfene Schulgebäude Unter den Linden 74 wurde 1823 fertiggestellt (Foto circa 1900)

Vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule, das von Karl Friedrich Schinkel entworfene Schulgebäude Unter den Linden 74 wurde 1823 fertiggestellt (Foto circa 1900)

Siemens studierte an der Vereinigten Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin

1823 als Ernst Werner Siemens sechs Jahre alt war, zogen seine Eltern von Lenthe nach Mecklenburg, wo sein Vater die Domäne Menzendorf übernahm. Bis 1828 wurde Ernst Werner Siemens von seinem Vater und seiner Großmutter zu Hause unterrichtet. Ab 1828 bis 1829 besuchte er ein Jahr lang die Bürgerschule in Schönberg und anschließend bekam er drei Jahre lang Unterricht von einem Hauslehrer. Zwischen 1832 bis 1834 besuchte er für zwei Jahre das Katharineum in Lübeck. Dort war er besonders in Mathematik herausragend, weshalb er in diesem Fach in einer höheren Klasse unterrichtet wurde. Er verließ das Gymnasium 1834 vorzeitig und ohne formalen Abschluss. Da die Domäne Menzendorf nicht so ertragreich war wie erwartet und seine Familie hoch verschuldet war, konnte Siemens nicht studieren. Die Familie konnte sich die anfallenden Studiengebühren nicht leisten. Ernst Werner Siemens entschied sich daher für eine Ausbildung beim Militär. Er besuchte in den Jahren 1835 bis 1838 die Vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule der Preußischen Militärakademie in Berlin, wo er seine Offiziersausbildung erhielt. Siemens galt als guter Soldat, er erhielt verschiedene Auszeichnungen und entwickelte während des  Schleswig-Holsteinischen Krieges im Jahr 1848 gemeinsam mit dem Chemiker August Friedrich Karl Himly Seeminen für die Verteidigung des Kieler Hafens. Die Minen konnten von Land aus elektrisch gezündet werden.

Siemens Zeigertelegraph aus dem 19. Jahrhundert

Siemens Zeigertelegraph aus dem 19. Jahrhundert (Foto: Denis ApelEigenes Werk, CC BY-SA 4.0, Link)

Der Siemens’sche Zeigertelegraph war das erste Produkt der Firma Siemens & Halske

Nach seiner Rückkehr aus dem Krieg und dem Ausscheiden aus dem Militär entschied sich Siemens, bereits etablierte Technologien zu überarbeiten und zu verbessern um Geld zu verdienen. Seine erst Erfindung im Jahr 1842 war die Galvanisierung eines Teelöffels aus Neusilber. Er überzog den Teelöffel, mit Hilfe eines galvanischen Bades und Gleichstrom aus Batterien, wahlweise mit Silber oder Gold. Für dieses Verfahren erhielt er sein erstes preußisches Patent. Ende des Jahres 1846 entwickelte Ernst Werner Siemens einen elektrischen Telegraphen, der mit einem Zeiger jeweils auf einen Buchstaben zeigte, anstatt Morsezeichen zu verwenden. Elektrische Zeigertelegraphen waren zu dieser Zeit schon bekannt, allerdings waren es die Verbesserungen die den Zeigertelegraphen von Siemens zu etwas besonderem machten. Der Siemens’sche Zeigertelegraph arbeitete nicht mehr nach dem Prinzip eines Uhrwerks, sondern mit einem selbsttätig gesteuerten Synchronlauf zwischen Sender und Empfänger. Dies war damals eine völlig neue Art der elektrischen Nachrichtenübertragung. Diesen Zeigertelegraphen ließ er noch im selben Jahr bei der Firma Halske & Boetticher bauen. Siemens kannte Feinmechaniker Johann Georg Halske aus der Physikalischen Gesellschaft, einer Vereinigung junger Wissenschaftler. Halske löste sich im folgenden Jahr von seinem Compagnon und wollte sich fortan dem Bau der Telegraphen widmen. Am 01. Oktober 1847 gründeten Ernst Werner Siemens und Johann Georg Halske die Firma Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske, die kurz darauf am 12. Oktober eine Werkstatt in einem Berliner Hinterhaus eröffnete. Siemens versuchte das Unternehmen zu internationalisieren. Bruder William Siemens vertrat ihn in England in einer ersten Auslandsniederlassung in London. Siemens versuchte auch in Russland Aufträge zu bekommen. Im Jahr 1852 bekam die Firma den Auftrag  zum Bau einer Telegraphenleitung von Warschau über St. Petersburg nach Moskau. 1853 schickte Siemens daher seinen Bruder Carl von Siemens  nach St. Petersburg, um den Bau zu überwachen. Johann Georg Halske leitete die innere Organisation der Berliner Fabrik. Meinungsverschiedenheiten zwischen Halske und den Siemens-Brüdern führten aber Ende 1867 nach zwanzig Jahren zum Ausscheiden Johann Georg Halskes aus der Firma.

1882 in Halensee bei Berlin: Elektromote von Werner von Siemens

1882 in Halensee bei Berlin: Elektromote von Werner von Siemens

Siemens gilt als Begründer der Elektrotechnik in Deutschland

Neben dem Zeigertelegraphen hat Siemens mehrere Impulse für die Entwicklung der Elektrotechnik gegeben und gilt damit als Begründer der Elektrotechnik in Deutschland. 1847 erfand er ein Verfahren, um Drähte mit einer nahtlosen Umhüllung als Isolierung zu versehen. Diese Methode bildet auch heute noch die Grundlage zur Herstellung isolierter elektrischer Kabel und Leitungen. Im Jahre 1857 entwickelte Siemens die Ozonröhre, diese kann mittels elektrischen Stroms Ozon erzeugen, welches zur Reinigung von Trinkwasser verwendet werden kann. Im selben Jahr formulierte er auch das Gegenstromprinzip. Er entwickelte unter anderem eine Dynamomaschine und seine Firma produzierte die Röhren für Wilhelm Conrad Röntgens Röntgenstrahler. Bei der Berliner Gewerbeausstellung 1879 im Ausstellungspark am Lehrter Bahnhof stellte das Unternehmen Siemens & Halske seine erste Elektrolokomotive vor. Ernst Werner Siemens war am 31. Mai 1879 bei der Vorstellung persönlich dabei. Während der vier Monate dauernden Ausstellung fuhren ungefähr 90.000 Menschen auf der 300 Meter langen Strecke mit dem Zug, der aus der E-Lok und drei Wagen bestand. Die originale elektrische Lokomotive von damals ist heute noch erhalten und befindet im Deutschen Museum in München. 1881 fuhr die erste elektrische Straßenbahn von Siemens & Halske in Groß-Lichterfelde, heute Berlin-Lichterfelde. Siemens gilt auch als der Vater des Oberleitungsbusses, den er mit seinem „Elektromote“ am 29. April 1882 erstmals erprobt hat. Das „Elektromote“ war eine elektrisch angetriebene Wagonette, ein Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelter offener gefederter Pferdewagen.

Werner von Siemens hatte zeitlebens einen ausgeprägten Familiensinn. Er entstammte einer kinderreichen Familie – und war selbst Vater von sechs Kindern. Die Aufnahme zeigt den rund 60-jährigen Unternehmer im Kreis seiner Söhne und Töchter. Von links nach rechts: Arnold, Käthe, Wilhelm und Anna aus erster Ehe, in der Mitte sitzend Werner von Siemens mit Hertha, rechts im Bild seine zweite Ehefrau Antonie mit dem jüngsten Sohn Carl Friedrich.

Werner von Siemens hatte zeitlebens einen ausgeprägten Familiensinn. Er entstammte einer kinderreichen Familie – und war selbst Vater von sechs Kindern. Die Aufnahme zeigt den rund 60-jährigen Unternehmer im Kreis seiner Söhne und Töchter. Von links nach rechts: Arnold, Käthe, Wilhelm und Anna aus erster Ehe, in der Mitte sitzend Werner von Siemens mit Hertha, rechts im Bild seine zweite Ehefrau Antonie mit dem jüngsten Sohn Carl Friedrich. (Foto: Siemens AG)

Werner von Siemens starb am 01. Juli 1892

Zum Ende seiner industriellen Laufbahn im Jahr 1888 wurde Ernst Werner Siemens, als Auszeichnung für sein Lebenswerk, zu Werner von Siemens geadelt. Er zog sich 1890 aus seiner Firma zurück und starb am 06. Dezember 1892 in Berlin im Alter von 75 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Werner von Siemens wurde auf dem Alten Luisenfriedhof in Charlottenburg bestattet und später in das Familiengrab der Familie Siemens umgebettet. Das Familiengrab befindet sich auf dem südwestlich von Berlin gelegenen Südwestkirchhof Stahnsdorf. Werner von Siemens war zweimal verheiratet. Im Jahr 1852 heiratete er seine entfernte Nichte Mathilde Duman. Aus diese Ehe stamme die Söhne Arnold und Georg Wilhelm sowie die Töchter Anna Zanders und Käthe Pietschker. Seine erste Ehefrau starb am 01. Juli 1867 an einer langjährigen Lungenerkrankung. 1869 heiratete er seine entfernte Nichte Antonie Siemens. Tochter Hertha von Siemens und Sohn Carl Friedrich von Siemens entstammen dieser Ehe.

Buchtipps

Werner von Siemens Der brodelnde Geist. Lebenserinnerungen

Auch interessant

Frank Julian Sprague – Vater der elektrischen Traktion

 

Quelle: wikipedia.org