Robert Davidson – Schottischer Erfinder

Robert Davidson baute 1837 die erste bekannte elektrische Lokomotive

Robert Davidson wurde 1804 in Aberdeen geboren. Er war ein schottischer Erfinder, der 1837 die erste bekannte elektrische Lokomotive baute. Er wohnte sein ganzes Leben in Aberdeen im Nordosten Schottlands, wo er unter anderem als wohlhabender Chemiker und Färber sein Geld verdiente. Davidson studierte am Marischal College, wo er von 1819 bis 1821 auch Vorlesungen von Professor Patrick Copland besuchte. Er erhielt seinen Studienplatz als Gegenleistung für seine Tätigkeit als Laborant am Marischal College. Da sich Davidson nach dem Studium als Hersteller und Lieferant von Chemikalien etablierte, ist es sehr wahrscheinlich, dass er auch die Chemieklasse von William Henderson am College besuchte. Nach seinem Studium machte er sich in den 1820er Jahren selbständig. Er lieferte zuerst Hefe aus Räumlichkeiten am Causewayend in Aberdeen und zog später in die nahegelegene Canal Road in der Nähe des Aberdeen-Inverurie-Kanals. Zur damaligen Zeit war das Gebiet noch ein Gärtnerei- und Baumschulgelände, das nach und nach mit Wohnhäusern und Fabriken bebaut wurde. Davidson wechselte von der Hefe zur Herstellung und Lieferung von Chemikalien, sowie zu verschiedenen anderen Unternehmungen wie zum Beispiel dem Feilenschärfen.

Robert Davidson (1804-1894) war ein schottischer Erfinder, der 1837 die erste bekannte elektrische Lokomotive baute

Robert Davidson (1804-1894) war ein schottischer Erfinder, der 1837 die erste bekannte elektrische Lokomotive baute (Bild: The Scientific Tourist: Aberdeen)

Davidson konstruierte seine eigenen Batterien

Robert Davidson scheint jedoch zwei Leidenschaften gehabt zu haben, die Astronomie und die Elektrizität. Für die Astronomie baute er sich ein großes Spiegelteleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 60 cm und einer Gesamtlänge von fast 11 Metern. Dieses Teleskop, mit seiner großen Tragkonstruktion, muss damals ein Wahrzeichen der Gegend gewesen sein. Leider wurden in seinen Notizen keine Abbildungen von diesem Teleskop gefunden. Was man in Davidson Notizen jedoch fand, waren seine elektrischen Entwicklungen.In den 1830er Jahren zeigte Michael Faraday, wie man mit Hilfe von Elektrizität mechanische Bewegung erzeugen kann, wenn auch auf eine Weise, die für die Nutzung als praktischer Elektromotor nutzlos war. Davidson war fasziniert von diesen Möglichkeiten. Er konstruierte seine eigenen Batterien, keine schwierige Aufgabe für einen Chemielieferanten und Mann mit Werkstattkenntnissen, und bis 1837 hatte er seinen ersten großen Elektromotor gebaut. In den USA stellte William H. Taylor ab 1838 ähnliche Motoren her. Allerdings arbeiten beide Männer unabhängig voneinander, und keiner kannte die Arbeiten des anderen. Die erste bekannte E-Lok wurde 1837 von Robert Davidson gebaut und mit galvanischen Zellen (Batterien) betrieben. Es handelte sich um eine kleine voll funktionsfähige Elektrolokomotive.

Werbezettel zur Elektro-Magnetischen Ausstellung

Werbezettel zur Elektro-Magnetischen Ausstellung (Bild: The Scientific Tourist: Aberdeen)

James Clerk Maxwell besuchte eine Ausstellung von Davidson

Im Jahre 1840 veranstaltete er eine öffentliche Elektromagnetische Ausstellung in Aberdeen und tausende Besucher kamen, um die Modell-Elektrolokomotive zu sehen, die zwei Personen befördern kann. Zusätzlich sahen die Besucher eine elektrische Modelldrehbank, eine kleine elektrische Druckmaschine und einen batteriebetrieben Elektromagneten, der 2 Tonnen Gewicht heben kann. Der Motor, der die Drehmaschine und die Druckmaschine antreibt, hatte ein Schwungrad mit einem Durchmesser von 150 cm und der Elektromagnet hatte Polschuhe von 10 cm im Quadrat. Das waren also keine Tischspielzeuge, sondern große funktionsfähige Modelle. Robert Davidson reiste mit seiner Ausstellung im folgenden Jahr nach Edinburgh, wo der zehn jährige James Clerk Maxwell mit seinem Vater die Ausstellung besuchte. Maxwell wurde später ein berühmter schottischer Physiker. Er entwickelte unter anderem einen Satz von Gleichungen, die Maxwell-Gleichungen, welche die Grundlagen der Elektrizitätslehre und des Magnetismus bilden. Ende 1842 nahm Davidson seine Ausstellung mit nach London, in der Hoffnung Sponsoren für sich zu gewinnen. In der Ausstellung in der Egyptian Hall in Piccadilly zeigte er, neben seinen bekannten Exponaten, eine elektrisch angetriebene Kreissäge und einen starken Lichtbogen, der durch zwei stromdurchflossene Koksstücke erzeugt wurde. Er hatte in London ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt, aber nicht die erhofften Sponsoren gefunden. Immerhin erlangte er aber durch die Ausstellung so viel Bekanntheit, das 1843 eine Zeichnung seines Motors in einer Ausgabe von Penny’s Mechanic abgebildet wurde.

Davidson Motors in einer Ausgabe von Penny’s Mechanic im Jahr 1843

Davidson Motors in einer Ausgabe von Penny’s Mechanic im Jahr 1843 (Bild: The Scientific Tourist: Aberdeen)

Robert Davidson eine weitere Prototypen-Elektrolokomotive

Zwischen den Ausstellungen in Aberdeen und London baute Robert Davidson eine weitere Prototypen-Elektrolokomotive mit dem Namen Galvani., die 1841 auf der Royal Scottish Society of Arts Exhibition ausgestellt wurde. Das sieben Tonnen schwere und 5 Meter lange Fahrzeug hatte zwei direkt angetriebene Reluktanzmotoren mit festen Elektromagneten auf Eisenstangen, die an einem Holzzylinder an jeder Achse befestigt waren. Die Elektrolok beförderte eine Ladung von sechs Tonnen mit 6 km/h Höchstgeschwindigkeit über eine Strecke von 2 Kilometer. Im September 1842 fuhr die Galvani mit 6 km/h auf der Edinburgh and Glasgow Railway von Glasgow nach Edinburgh, Aberdeen war zu dieser Zeit noch nicht an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Leider wurde die Galvani dort von Unbekannten zerstört, bevor Davidsons seine Elektro-Lok zurückbekommen hatte. Man vermutete damals, das Eisenbahnarbeiter die Lok zerstörten, das sie Angst um ihre Arbeitsplätze hatten. Diese Befürchtungen waren allerdings unbegründet, da Davidson nicht über die nötigen Technologien verfügte, um elektrische Bahnen kommerziell erfolgreich zu machen. Seine Energie für die elektrische Lokomotive wurde von chemischen Batterien geliefert, die teuer in der Herstellung waren. Um sie wieder aufzuladen, mussten die Chemikalien ersetzt werden. Der wiederaufladbare Bleiakkumulator wurde erst Ende der 1850er Jahre erfunden. Es dauerte noch etwa drei Jahrzehnte bis brauchbare elektrische Generatoren den Strom liefern konnten, die den elektrischen Transport wirtschaftlich möglich machten. Es hätte vielleicht alles viel früher passieren können, wenn Robert Davidson einen Gönner mit vollen Taschen und Geduld gefunden hätte. Aber Anfang der 1840er Jahre war noch niemand bereit in diese Technologie zu investieren.

Auf und unter der Erde in London im Jahr 1864

Auf und unter der Erde in London im Jahr 1864 (Bild: Die Gartenlaube – Illustriertes Familienblatt)

Die erste U-Bahn der Welt wurde mit Dampflokomotiven betrieben

Die Metropolitan Railway, auch als Met bekannt, eröffnete am 10. Januar 1863 die erste U-Bahn der Welt. Die unterirdische Strecke führte vom Bahnhof Paddington nach Farringdon in der Nähe der City of London. Diese Strecke wurde noch mit Dampflokomotiven betrieben, es bestand also eine permanente Erstickungsgefahr auf der unterirdischen Strecke. Zeitgenössische Berichte beschrieben oft von Fahrten in lauten Zügen durch dunkle, dampf- und rauchgefüllte Tunnel. Die dort eingesetzten Kondensationslokomotiven erwiesen sich als weitaus weniger effektiv als angenommen. Die Erfindung elektrische Lokomotiven im Zusammenhang mit Strom aus Generatoren konnte das Problem mit dem Lokomotivenrauch beheben, aber in Großbritannien erschienen sie erst am 04. November 1890 als die erste elektrische Vollbahn, die City of London & Southwark Subway, den Betrieb zwischen Stockwell und King William Street aufnahm. Robert Davison war zu diesem Zeitpunkt 86 Jahre und wurde plötzlich eine Medienberühmtheit. The Electrician magazine berichtete: „Robert Davidson war zweifellos der erste, der die Möglichkeit der elektrischen Traktion auf praktische Weise demonstrierte“. Davidson starb 4 Jahre später im Alter von 90 Jahren in seiner Heimatstadt Aberdeen, er wurde alt genug, um zu sehen wie seine Vision Wirklichkeit wurde.

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Quellen: wikipedia.org und The Scientific Tourist: Aberdeen