Manfred von Brauchitsch – Deutscher Rennfahrer

Manfred von Brauchitsch - Deutscher Rennfahrer

Manfred von Brauchitsch – Deutscher Rennfahrer (Foto: Daimler AG)

Manfred von Brauchitsch war Werksfahrer bei Mercedes-Benz

Manfred Georg Rudolf von Brauchitsch wurde am 15. August 1905 in Hamburg geboren und war ein deutscher Autorennfahrer. Er fuhr in den 1930er Jahren im Grand Prix Motorsport für Mercedes-Benz in den berühmten Silberpfeilen mit. Manfred von Brauchitsch stammte aus einer alten Militärfamilie, sein Vater Viktor von Brauchitsch war preußischer Offizier und sein Onkel war Generalfeldmarschall Walther von Brauchitsch. Da lag es nur Nahe, das Manfred von Brauchitsch auch die Militärlaufbahn einschlagen würde. Zwischen 1913 und 1923 besuchte Brauchitsch ein Gymnasium in Berlin und nach Beendigung des Gymnasiums trat er 1923 in Berlin-Spandau in die sogenannte Schwarze Reichswehr ein. In der Freikorps-Brigade Erhardt blieb er aber nicht mal ein Jahr und ging am 01. Januar 1924 zur offiziellen deutschen Reichswehr. Nach Rekrutenjahre in Stettin und Greifswald, macht er schließlich die Ausbildung zum Fähnrich an einer Waffenschule in Dresden. Schon zu dieser Zeit fuhr er gerne schnell. Jedoch noch auf einem Motorrad, das ihm sein Onkel Walther von Brauchitsch geschenkt hatte. Nach einem schweren Motorradunfall, als er in Stettin noch Fähnrich war und auf der Heimfahrt in der Nähe von Greifswald mit dem Motorrad verunglückte, wurde er aufgrund des dabei zugezogenen Schädelbasisbruches 1928 als Dienstuntauglich aus dem Dienst in der Reichswehr entlassen.

Von Brauchitsch neben seinem von Reinhard von Koenig-Fachsenfeld gestalteten Mercedes-Benz Typ SSKL

Von Brauchitsch neben seinem von Reinhard von Koenig-Fachsenfeld gestalteten Mercedes-Benz Typ SSKL (Foto: Daimler AG / © Zoltán Glass – Science & Society Picture Library London)

Nach der Militärzeit wollte von Brauchitsch Rennfahrer werden

Von den Folgen des Unfalls erholte sich Manfred von Brauchitsch auf dem Schloss seines Vetters Hans von Zimmermann, auf Nischwitz und Polleben. Nachdem sich das mit der Militärkarriere erledigt hatte, wollte er jetzt Rennfahrer werden und macht seinen Autoführerschein. Sein Vetter unterstützt ihn bei der Realisierung dieses ausgefallenen Wunsches und stellte ihm seine privaten Autos, einen Mercedes-Benz Typ SS und einen Mercedes-Benz Typ SSK zur Verfügung. Zusätzlich drängte er von Brauchitsch aber auch darauf, eine Lehre als KFZ-Mechaniker zu machen, damit er genügend technisches Verständnis erlangen konnte. Dies führte ihn in eine Mercedes-Autowerkstatt, wo er Theo Hempel kennenlernte. Hempel sollte nicht nur sein Freund werden, sondern auch sein späterer Mechaniker. Manfred von Brauchitsch fuhr als Privatfahrer bei den verschiedensten Rennen mit. 1929 gewann er sein erstes Rennen, mit dem Mercedes-Benz SS-Tourenwagen seines Vetters, beim Internationalen Gaisbergrennen in Österreich. Am 22. Mai 1932 gelangte ihm sein erster großer Erfolg bei einem Rennen auf der Avus in Berlin. Mit seinem stromlinienförmig umgebauten Mercedes-Benz SSKL siegte von Brauchitsch vor dem damals schon bekannten Rennfahrer Rudolf Caracciola. Dieser Sieg machte ihn nicht nur bekannt, sondern führte von Brauchitsch auch in den illustren Kreis der damals bekannten Rennfahrer. Sogar eine Filmrolle bekam der junge von Brauchitsch angeboten und nahm sie auch an. Die Film-Gage konnte er als privater Rennfahrer gut gebrauchen. Im Film Kampf spielte er an der Seite von Evelyn Holt und Georg H. Schnell. Die Handlung ist schnell erzählt, Rennfahrer Robert Wenck (Manfred von Brauchitsch) und Kurt Harder (Georg H. Schnell) sind gute Freunde. Allerdings werden sie zu Rivalen, als es so aussieht, als wäre Robert mit Eva (Evelyn Holt) verheiratet. Eva war früher die Geliebte von Kurt Harder. Die Dreharbeiten zum Film fanden 1932 auf der Avus in Berlin, auf dem Nürburgring und in Freiburg statt. Die deutsche Uraufführung des Films war am 20.12.1932 am Ufa-Theater am Kurfürstendamm in Berlin. Manfred von Brauchitsch konnte seine Erfolgsserie auf seinem Mercedes-Benz SSKL auch im folgenden Jahr mit Siegen beim Kesselberg-Rennen und Schauinsland-Bergrennen fortsetzen.

Start zum Internationalen Eifelrennen auf dem Nürburgring am 03. Juni 1934. Manfred von Brauchitsch gewann das Rennen mit einem Mercedes-Benz Formel-Rennwagen W 25

Start zum Internationalen Eifelrennen auf dem Nürburgring am 03. Juni 1934. Manfred von Brauchitsch gewann das Rennen mit einem Mercedes-Benz Formel-Rennwagen W 25 (Foto: Daimler AG)

Ein Traum wird wahr – Werksfahrer bei Mercedes-Benz

1933 bekam er einen Vertrag als Werksfahrer bei Mercedes-Benz. Ab dem 01. Januar 1934 war er Werksfahrer, unter dem legendären Rennleiter Alfred Neubauer, bei Mercedes-Benz. Obwohl Manfred von Brauchitsch ein ausgezeichneter Fahrer war, der auch Erfolge hatte, kämpfte er oft mit dem Pech und wurde von seinen erfolgreicheren Mercedes-Benz Teamkollegen Rudolf Caracciola und Hermann Lang überschattet. In manchen Situationen übertrieb er es aber auch einfach. Mit seinem Ehrgeiz und seiner übertriebenen Einsatzbereitschaft brachte er sich mehrere Krankenhausaufenthalte ein. Von Brauchitsch schonte weder sich, noch sein Fahrzeug. Und er gewann drei Grand Prix, das ADAC Eifelrennen 1934 mit dem ersten Auftritt der Silberpfeile, den Grand Prix von Monaco 1937 und den Grand Prix von Frankreich 1938. Mit seiner schnellsten Runde im Rennen von Monaco 1937 stellte er einen Rekord auf, der 18 Jahre überdauern sollte. Manfred von Brauchitsch wurde 1937 und 1938 zweimal Vize-Europameister und 1939 wurde er Dritter. Er war damals bekannt für seinen Wagemut, seine rote Leinenhaube und sein Pech. Er verlor eine Reihe von Rennen, als er kurz vor dem Sieg stand. Dies brachte ihm den Spitznamen Pechvogel ein. Beim Grand Prix von Deutschland 1935 zum Beispiel platzte in der letzten Runde ein Reifen und Tazio Nuvolari siegte auf Alfa Romeo. Das war übrigens auch das einzige Mal während der Vorherrschaft der Silberpfeile in den dreißiger Jahren, das ein anderer Wagen als Mercedes oder Auto Union einen Grand Prix gewinnen konnte.

Manfred von Brauchitsch beim 2. Belgrader Stadtrennen am 03. September 1939

Manfred von Brauchitsch beim 2. Belgrader Stadtrennen am 03. September 1939 (Foto: Daimler AG)

Von Brauchitsch letztes Rennen als Mercedes-Werksfahrer war im September 1939

Sein letztes Rennen als Mercedes-Benz Werksfahrer fuhr er beim Großen Preis von Belgrad 1939. Das Rennen fand am 03. September 1939, zwei Tage nach Beginn des Zweiten Weltkriegs, statt. An diesem Tag wurde dem Deutschen Reich von Großbritannien und Frankreich der Krieg erklärt. Nach dem freien Training, am 01. September 1939, wollten viele Teams abreisen, als sie die Nachricht vom Ausbruch des Krieges erhielten. Nach Überredungsversuchen seitens des Veranstalters blieben aber drei Teams, so das am Renntag fünf Fahrzeuge startenden. Drei Mercedes-Benz W 154 mit Manfred von Brauchitsch, Hermann Paul Müller und Hermann Lang. Ein Auto Union Typ D mit Tazio Nuvolari und ein Bugatti Type 51 mit Boško Milenković. Sieger des Rennens wurde Tazio Nuvolari, auf Platz Zwei fuhr Manfred von Brauchitsch und Hermann Paul Müller belegte Bronze. Boško Milenković kam mit 19 Runden Rückstand ins Ziel und Hermann Lang schied mit einem Unfall in Runde 18 aus. Bis 1946 sollte es keine internationalen europäischen Motorsportveranstaltung mehr geben.

Heinrich Koppenberg im Jahr 1941

Heinrich Koppenberg im Jahr 1941 (Foto: Bundesarchiv, Bild 183-2005-0331-502 / CC BY-SA 3.0 de, Link)

Im Zweiten Weltkrieg sollten keine internationalen Rennen mehr stattfinden

Die ersten Kriegsmonate verbrachte von Brauchitsch bei Rudolf Caracciola in der Schweiz. Auf Drängen seiner Mutter kehrte er allerdings wieder nach Deutschland zurück. Wegen seiner vielen Rennverletzungen wurde er im Zweiten Weltkrieg nicht zum Militärdienst eingezogen. Zwischen 1940 und 1943 war von Brauchitsch persönlicher Referent des Junkers-Chefs Heinrich Koppenberg und von 1944 bis 1945 war er Referent im Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion unter Albert Speer. Nach einem Bombenangriff auf Berlin, machte er einen nächtlichen Spaziergang. Bei diesem Spaziergang lernte er seine erste Frau Gisela Hundt, eine gebürtige Berlinerin kennen. Bis Kriegsende wohnten die beiden dann, zusammen mit seiner Mutter Olga, in der Villa in Kempfenhausen am Starnberger See. Als die Amerikaner Kempfenhausen erreichten, wurden sie aus ihrer Villa vertrieben und zogen in ein kleines Waldhaus. Am 27. Dezember 1946 heirateten die beiden in Starnberg.

AvD Logo bis 2008

AvD Logo bis 2008 (Foto: Logo, Link)

Von Brauchitsch wurde Sportpräsident des Automobilclubs von Deutschland

Nach Ende des zweiten Weltkrieges versuchte Manfred von Brauchitsch den Motorsport in Deutschland wieder aufleben zu lassen. In den Wirren der Nachkriegszeit veranstaltete von Brauchitsch nicht lizensierte Motorradrennen. Am 06. November 1948 wurde der Automobilclub von Deutschland (AvD) in Königstein im Taunus wiedergegründet und von Brauchitsch wurde zum Sportpräsidenten des Automobilclubs gewählt. Jedoch war dies ein Ehrenamt und damit konnte er nicht den Lebensunterhalt für sich uns seine Frau bestreiten. Mit einer neuen Rennsportkariere wollte es auch nicht so recht voran gehen. Er wandte sich an seinen alten Freund und ehemaligen Mercedes-Teamkollegen Rudolf Caracciola. Dieser ließ seine Kontakte spielen und Ende Oktober 1949 erhielt von Brauchitsch ein Telegramm vom Präsidenten des argentinischen Automobilclubs Automóvil Club Argentino (ACA). Ricardo Polledo lud Manfred von Brauchitsch und seine Ehefrau für ein paar Monate nach Argentinien ein. Von Brauchitsch solle mit einem für ihn reservierten Maserati-Rennwagen, bei vier großen südamerikanischen Rennen starten. Das erste Rennen war bereits für den 18. Dezember des Jahres geplant. Von Brauchitsch nahm die Einladung an, konnte er doch nun endlich wieder Rennen fahren. In seiner Funktion als Sportpräsident des Automobilklub von Deutschland (AvD) wurde er gebeten, in Argentinien die Werbetrommel für den am 24. August 1950 erstmals wieder stattfindenden Großen Preis von Deutschland zu rühren, damit auch argentinische Rennfahrer daran teilnehmen. Er und seine Ehefrau reisten am 24. November 1949 ab und besuchten auf ihrer Reise zum Flughafen in Rom, noch Rudolf Caracciola in der Schweiz.

Der Bosques de Palermo (Wald von Palermo) mit dem Verlauf der damaligen Rundstrecke. Hier fand zwischen Februar 1948 und Januar 1950 der Buenos Aires Grand Prix statt.

Der Bosques de Palermo (Wald von Palermo) mit dem Verlauf der damaligen Rundstrecke. Hier fand zwischen Februar 1948 und Januar 1950 der Buenos Aires Grand Prix statt. (Von MotorOilStainsEigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link / © OpenStreetMap-MitwirkendeCC BY-SA)

Buenos Aires im Dezember: 38 Grad Hitze und fast 60 Prozent Luftfeutigkeit

Am 03. Dezember 1949 trafen sie dann mit einer KLM-Maschine aus Rom kommenden am Flughafen La Plata ein. Beim ersten Training am 14. Dezember 1949 für den Buenos Aires Grand Prix (Offiziel: IV Gran Premio del General Juan Perón y de la Ciudad de Buenos Aires) im Palermo Park (Bosques de Palermo) in Buenos Aires erschienen rund 50.000 Zuschauer. Sieben Fahrer nahmen am Training teil, darunter auch Manfred von Brauchitsch in einem zur Verfügung gestellten Maserati 8CL. Er und sein Teamkollege Clemente Biondetti fuhren für Luigi de Filippis, Sprössling einer italienischen Industriellenfamilie. Seine Schwester Maria Teresa de Filippis war die erste Frau, die bei einem Lauf zur Automobil-Weltmeisterschaft startete. 1958, beim Großen Preis von Belgien. Von Brauchitsch hatte sich gerade von einer Erkältung erholt, die er wahrscheinlich durch den Wetterwechsel bekommen hatte. In Buenos Aires war es über 38 Grad heiß und das bei einer Luftfeuchte von fast 60 Prozent. Er fuhr beim Training keine gute Zeit und stellte fest, dass der ihm zur Verfügung gestellte Wagen nicht besonders gut lief. Die Mechaniker wollten ihn aber bis zur Qualifikation am Freitag wieder fit machen. Als das Rennen am Sonntag startete, nahm Manfred von Brauchitsch nicht am Rennen teil, aus seinem ersten Start nach zehn Jahren wurde leider nichts. Der 1,5-Liter-Maserati wies erhebliche Motorenschäden auf, die nicht einfach repariert werden konnten. Die Rennleitung strich Brauchitsch von der Startaufstellung, da der 13 Jahre alte Rennmotor des Maserati nicht den Anforderungen des Rennens gewachsen war. Auch im Januar 1950 hatte von Brauchitsch noch kein einsatzfähiges Fahrzeug für ein Rennen. Man stellte ihm jedoch für das Rennen am 08. Januar 1950 im Palermo Park in Buenos Aires den Maserati 4CLT seines Teamkollegen Clemente Biondetti in Aussicht. Man wolle diesen zu einem Startverzicht überreden. Biondetti verzichtete allerdings nicht auf den Start und belegte beim Rennen Platz 11. Von Brauchitsch ging wieder leer aus und konnte ohne Auto nicht starten. Auch bei den nächsten zwei Rennen am 15. Januar 1950 in Mar del Plata und am 22. Januar 1950 in Rosario war Manfred von Brauchitsch nicht dabei. Für diese beiden Rennen war er aber auch schon gar nicht mehr vorgesehen worden. Am 15. März 1950 kehrten er und seine Frau wieder nach Deutschland zurück.

Verschiedene Modelle beim Seifenkistenrennen um 1950

Verschiedene Modelle beim Seifenkistenrennen um 1950 (Von Bundesarchiv, Bild 194-0224-37 / Lachmann, Hans / CC BY-SA 3.0 de, Link)

Von Brauchitsch als Überraschungsgast beim Münchner Seifenkistlrennen

Auch wenn es mit der Rennfahrer-Comeback nicht klappen wollte, so war von Brauchitsch nach wie vor ein gefragter Prominenter. Bei der Eröffnung des Seifenkistlrennen auf der Münchner Theresienwiese am 16. Juni 1950 erschienen Rudolf Caracciola, Manfred von Brauchitsch, Ewald Kluge, Ernst Henne und Willy von Müller als prominente Überraschungsgäste. Von Brauchitsch fuhr in einem roten Fahrzeug der Mariandl – Bar, Caracciola in einer grünen Seifenkiste der Firma Castrol und Kluge in einem weißen Wagen einer Münchener Photofirma die 220 Meter lange Holzkonstruktion am Sockel der Bavaria hinunter. Rennleiter für dieses Seifenkistenrennen waren Ernst Henne und Willy von Müller. Als Erster ging Manfred von Brauchitsch durchs Ziel, dicht gefolgt von Ewald Kluge und mit zwei Längen Abstand Rudolf „Carratsch“ Caracciola als Dritter. Caracciola „protestierte“ darauf beim Münchner Oberbürgermeister Thomas Wimmer, der Start sei nicht vorschriftsmäßig verlaufen. Das Rennen wurde zur Freude der Anwesenden wiederholt, die Zieldurchläufe waren allerdings die Gleichen wie vorher.

Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck auf der Ehrentribüne im Jahre 1951 bei den 2. Wintersportmeisterschaften der DDR in Oberhof

Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck auf der Ehrentribüne im Jahre 1951 bei den 2. Wintersportmeisterschaften der DDR in Oberhof

Vorsitzender des Westdeutschen Komitees für Einheit und Freiheit des Deutschen Sport

Manfred von Brauchitsch und seine Frau Gisela erhielten wieder eine Einladung. Es war eine Einladung zu den 2. Wintersportmeisterschaften der DDR in Oberhof. Doch zunächst etwas zur Vorgeschichte dieser Einladung. Am 01. Oktober 1948 wurde der Deutsche Sportausschuss in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet. Ganz nach sowjetischem Vorbild, stellte der Sportausschuss eine einheitliche Führungsstruktur für den gesamten organisierten Sport in der Sowjet-Zone. Eine Ausnahme bildete Berlin, das nach dem Viermächteabkommen einen Sonderstatus hatte. So wie Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt war, war auch Berlin in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Der Sport stand ab jetzt sozusagen unter der Herrschaft der SED, der Regierungspartei in der Ost-Zone. Dies führte zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen ost- und westdeutschen Sportlern. Da die ostdeutsche Regierung zu dieser Zeit noch keinen sportlichen Alleingang wollte, sondern interessiert war, das auch Sportler aus Westdeutschland an ostdeutschen Sportveranstaltungen teilnahmen, musste im Westen Deutschlands Werbung für den Sport im ostdeutschen politischen System gemacht werden. Dafür brauchte man prominente und beliebte Sportler. Sportler aus Westdeutschland waren für diese Aufgabe natürlich noch besser geeignet, als ostdeutsche Sportler. Hier kommt wieder Manfred von Brauchitsch ins Spiel. Mit seiner Rennfahrer-Kariere will es nach dem Krieg nicht mehr klappen, er ist mehr oder weniger Mittellos und sucht nach einer neuen Aufgabe. Mit der Einladung nach Oberhof kann man ihn vielleicht für den gesamtdeutschen Sport nach ostdeutscher Vorstellung überzeugen. Die 2. Wintersportmeisterschaften der DDR fanden vom 11.02.1951 bis 18.02.1951 statt und von Brauchitsch besuchte als Ehrengast mit seiner Frau Gisela die Sportveranstaltung. Neben ihm und seiner Frau reisten noch mehrere andere tausend Sportler aus Westdeutschland an. Bei den dort stattfindenden Oberhofer Sportlergesprächen kamen Walter Ulbricht, der damalige  Generalsekretär des ZK der SED, und von Brauchitsch ins Gespräch. Bei einer Pressekonferenz am 26. April 1951 in Düsseldorf wurde bekanntgegeben, das von Brauchitsch die Präsidentschaft des Vorbereitenten Komitees für die III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten für den Frieden übernehmen würde. Er bekommt für diese Tätigkeit 2.000 DM-West und tritt bis zu Beginn der Weltfestspiele bei meist von der FDJ-West organisierten Kundgebungen auf. Ein von Manfred von Brauchitsch für Ende Juni 1951 geplantes deutsch-französisches Jugendtreffen in Trier, wurde Anfang Juni 1951 vom örtlichen Polizeidirektor mit der Begründung verboten, es sei kommunistisch inspiriert. Und am 16. Juli 1951 sollte von Brauchitsch, in seiner Funktion als Westdeutscher Präsident der Vorbereitung der Weltjugend-Festspiele, auf einer FDJ-West-Versammlung in Köln einen Vortragt halten. Da dies aber buchstäblich in letzter Minute untersagt wurde, erzählte er Anekdoten aus seiner Zeit als Rennfahrer. Das Publikum sang zwischendurch Lieder der Kommunistischen Partei.

Anlässlich des großen Volksfestes auf der Trabrennbahn in Berlin-Karlshorst am 15.8.1951, im Rahmen der III. Weltfestspielen in Ost-Berlin, fährt Manfred von Brauchitsch als Gast eine Ehrenrunde

Anlässlich des großen Volksfestes auf der Trabrennbahn in Berlin-Karlshorst am 15.8.1951, im Rahmen der III. Weltfestspielen in Ost-Berlin, fährt Manfred von Brauchitsch als Gast eine Ehrenrunde (Von Bundesarchiv, Bild 183-11500-1700 / Junge, Peter Heinz / CC BY-SA 3.0 de, Link)

Noch während die III. Weltfestspiele in Ost-Berlin liefen, lud Walter Ulbricht Manfred von Brauchitsch,  Erich Honecker und Fred Müller in sein Haus ein. Honecker war FDJ-Vorsitzender und Fred Müller Leiter des Deutschen Sportausschusses. Bei dem Treffen kam man überein, die anwesenden westdeutschen Sportlern noch während der Weltfestspiele darüber zu informieren, das man auch in Westdeutschland ein Sportkomitee nach ostdeutschen Vorbild gründen sollte. Am 18. August 1951 fand daraufhin um 09:00 früh im Haus des Deutschen Sportausschusses im Großen Saal eine Beratung unter dem Thema Für Einheit und Freiheit im deutschen Sport über gesamtdeutsche Sportfragen statt. Manfred von Brauchitsch nahm im Präsidium ebenfalls an dieser Veranstaltung teil. Das Ergebnis dieses Zusammentreffens war, das man auch in Westdeutschland eine Protestbewegung unter Sportlern organisieren wollte und das von Brauchitsch die Präsidentschaft darüber übernehmen sollte. Daraufhin wurde unter Vorsitz Manfred von Brauchitschs am 22. November 1951 in Mannheim das Westdeutsche Komitee für Einheit und Freiheit im deutschen Sport gegründet. Von Brauchitsch sendete ein Telegramm mit den besten Wünschen zur Eröffnung der III. DDR-Wintersportmeisterschaft in Oberhof an den DDR-Präsidenten Pieck und seinen stellvertretenden Ministerpräsidenten Ulbricht. Die Wintersport-Meisterschaften fanden vom 27. Januar 1952 bis zum 03. Februar 1952 statt. Im März 1953 fand eine Kundgebung des Westdeutschen Komitees für Einheit und Freiheit im Deutschen Sport unter Vorsitz von Manfred von Brauchitsch in Düsseldorf vor dem Rathaus statt. Nur ungefähr 200 Menschen nahmen an der Kundgebung teil und ein Redner sprach sich gegen die deutschalliierten Verträge aus. 1953 erschien Manfred von Brauchitschs Autobiografie Kampf um Meter und Sekunden im ostdeutschen Verlag der Nationen (VDN), nachdem er in der BRD keinen Verlag für die Veröffentlichung gefunden hatte.

Manfred von Brauchitsch wurde unter anderem wegen Staatsgefährdung angeklagt

Bei einer Aktion des Landes Bayern verhaftete die Münchner Kriminalpolizei von Brauchitsch am Freitag, den 08. Mai 1953 in seinem Haus in Kempfenhausen wegen des Verdachtes des Landesverrats. Eine weitere Person aus dem Umfeld des Westdeutschen Komitees für Einheit und Freiheit des Deutschen Sports wurde ebenfalls festgenommen. Die Festnahme soll sich auf den Grundgesetzartikel 9, die Zugehörigkeit zu verbotenen Organisationen, gestützt haben. Von Brauchitsch soll bei seiner Verhaftung Widerstand gegen die Polizeibeamten geleistet haben. Umfangreiches Material wie Vereinskorrespondenz und Mitgliederlisten wurden beschlagnahmt. Ein Ermittlungsrichter erließ Haftbefehl gegen ihn und die weitere festgenommene Person. Staatsanwalt Schönberger aus München übergab das gesamte beschlagnahmte Material an den Oberbundesanwalt in Karlsruhe, der den Fall übernahm. Von Brauchitschs Rechtsanwalt Dr. Rudolf erklärte, das die Anschuldigungen gegen seinen Mandanten „ungeheuerlich und lächerlich“ seien und beantragte, seinen Mandanten gegen Kaution auf freien Fuß zu setzen. Eine Woche später, am Freitag den 15. Mai 1953, wurde Manfred von Brauchitsch vom Münchner Ermittlungsrichter aus der U-Haft entlassen, da das beschlagnahmte Material, keinerlei Hinweise ergab, dass von Brauchitsch Einblick in die inneren Vorgänge der Organisation gehabt habe. Das Komitee galt zu dieser Zeit als von Ost-Deutschland gesteuerte kommunistische Tarnorganisation. Manfred von Brauchitsch fuhr nach seiner Freilassung in sein Haus am Starnberger See.

Verdacht auf Vorbereitung zum Hochverrat, Geheimbündelei und Staatsgefährdung

Doch von Brauchitsch sollte nicht sehr lange in Freiheit bleiben, nachdem der Staatsschutz der Bundesrepublik Deutschland weitere Ermittlungen über das Westdeutsche Sportkomitee angestellt hatte, wurde er am 29. September 1953 erneut in seinem Haus in Kempfenhausen verhaftet. Diesmal wegen des Verdachtes auf Vorbereitung zum Hochverrat, Geheimbündelei und Staatsgefährdung. Das Komitee für Einheit und Freiheit des deutschen Sports stand unter dem Verdacht, dass es enge Beziehungen zur Sowjetzone unterhielt. Dies war damals unter der Regierung Adenauer verboten. Aufgrund eines Haftbefehls des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs saß er in München-Stadelheim in Untersuchungshaft. In von Brauchitschs Haftzeit versuchte sich seine Frau Gisela, Anfang November 1953, durch die Einnahme von Salzsäure das Leben zu nehmen. Sie überlebte und wurde in ein Starnberger Krankenhaus gebracht. Auslöser für diesen Selbstmordversuch, war wahrscheinlich ein Betrugsversuch. Die ohnehin durch die Haft ihres Mannes nervlich sehr angespannte Gisela von Brauchitsch, wurde von einem Betrüger aufgesucht. Dieser erzählte ihr, dass er ihren Mann gegen Zahlung von 2.000 DM aus der U-Haft freibekommen könnte. Als sie dies dem Verteidiger ihres Mannes erzählte, dem Münchner Rechtsanwalt Dr. Franz Swoboda, informierte dieser die Polizei. Am nächsten Vormittag wurde der Betrüger festgenommen. Frau von Brauchitsch erlitt nach diesem Vorfall einen Nervenzusammenbruch, hoffte sie doch auf eine Freilassung ihres Mannes. Ende Januar 1954 wurde der Betrüger zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Ehemann Manfred von Brauchitsch wurde im März 1954 ohne Auflagen aus der U-Haft entlassen. Während der Haftzeit war auch von Brauchitschs Mutter verstorben.

Flucht in die DDR

Kurz vor dem Jahreswechsel am 30.12.1954 saß von Brauchitsch in München bei einem Bier, als ihm jemand erzählte, das man plane ihn in die Oberbayerischen Kreis-Heil- und Pflegeanstalt in Haar bei München einzuweisen. Man plante also, ihn in der Psychiatrie mundtot zu machen. Er telefonierte sofort mit seiner Frau Gisela in Kempfenhausen, und bat sie ihm ein paar Sachen zusammen zu packen und ihm nach München zu bringen. Um der Psychiatrie oder einer erneuten Verhaftung zu entgehen, flieht von Brauchitsch am 30. und 31.12.1954 in die DDR. „Ich wollte mich nicht ein drittes Mal einsperren lassen, weil ich für die Einheit meines Vaterlands war“, sagte er später. Ehefrau Gisela, die aufgrund jahrelanger nervlicher Belastungen psychisch schwer angeschlagen war, konnte und wollte die Flucht nicht mit antreten. Ob die Sache mit der Psychiatrie stimmte, oder ob Agenten aus Ostdeutschland von Brauchitsch durch falsche Informationen zur Flucht bewegen wollten, ist heute wahrscheinlich nicht mehr überprüfbar. Im Juni 1955 sollte am bayerischen Obersten Landesgericht das Verfahren wegen Hochverrats gegen Manfred von Brauchitsch und die drei Mitangeklagten beginnen. Das Verfahren musste jedoch ausgesetzt werden, da die Angeklagten nicht zum Verhandlungstermin erschienen waren. Das Gericht erließ daraufhin bundesweiten Haftbefehl gegen die vier Angeklagten. Manfred von Brauchitsch hielt sich ja zu dieser Zeit bereits in der DDR auf.

Blick über Gräfenwarth in Thüringen am 22. April 2018

Blick über Gräfenwarth in Thüringen am 22. April 2018 (Foto: AschroetEigenes Werk, CC0, Link)

Von Brauchitsch heiratet zum zweiten Mal und zieht nach Thüringen

Am 02. Juni 1957 wurde in Ost-Berlin der Allgemeine Deutschen Motorsport Verband (ADMV) als Dachverband für den Motorsport in der DDR gegründet. An der Gründungsversammlung nahmen 64 Personen teil, im Wesentlichen Motorsport-Funktionäre und Spitzensportler, darunter auch Manfred von Brauchitsch. Von Brauchitsch wurde zum Sportpräsidenten des Motorsport Verbandes gewählt. Seine Frau Gisela, die am Starnberger See geblieben war, starb am 08. September 1957 im Alter von 39 Jahren an einer Überdosis Tabletten. Am 22. November 1958 heiratete Manfred von Brauchitsch Lieselotte Schneider. Mit ihr wohnte er dann in Gräfenwarth, einem kleinen Dorf im Saale-Orla-Kreis im Osten Thüringens. Sie hatten ein schönes Haus am Waldrand, einen Chauffeur und eine Haushälterin. Die Gesellschaft zur Förderung des Olympischen Gedankens in der DDR wurde am 01. Februar 1960 gegründet, von Brauchitsch wurde zum Präsidenten der Gesellschaft gewählt und suchte in dieser Position vor allem Sponsoren zur Finanzierung der DDR-Olympiamannschaften. Sein Amt als Sportpräsident des Motorsport Verbandes gab er im selben Jahr ab. Nachdem sich auch in Westdeutschland die politischen Verhältnisse normalisiert hatten, und von Brauchitsch keine Angst mehr haben musste, ins Gefängnis gesperrt zu werden, fuhren er und seine Frau ab und zu mal zu Besuch in  die Bundesrepublik Deutschland.

Manfred von Brauchitsch 1986 am Steuer eines Mercedes-Benz Modell K

Manfred von Brauchitsch 1986 am Steuer eines Mercedes-Benz Modell K (Foto: Lothar Spurzem, SpurzemEigenes Werk, CC BY-SA 2.0 de, Link)

Am 16. August 1986 zum Beispiel steuerte Manfred von Brauchitsch einen Mercedes-Benz Modell K beim 14. AvD- Oldtimer-Grand-Prix über den Nürburgring. 1988 wurde ihm der Olympische Orden des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für seine Leistungen als Präsident  der Gesellschaft zur Förderung des Olympischen Gedankens verliehen. Nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 wurde es in der Öffentlichkeit immer stiller um Manfred von Brauchitsch. Er war zu dieser Zeit bereits 85 Jahre alt, aber noch rüstig. Am 05. Februar 2003 starb er in Gräfenwarth im Alter von 97 Jahren, seine Frau Lieselotte folgte ihm am 25. Dezember 2003 im Alter von 85 Jahren.

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Quelle: wikipedia.org