Göltzschtalbrücke – Eisenbahnbrücke in Deutschland

Göltzschtalbrücke Eisenbahnbrücke Deutschland

Göltzschtalbrücke (Foto: user:UlrichAABEigenes Werk, CC BY 3.0, Link)

Die Göltzschtalbrücke ist die größte gemauerte Brücke der Welt

Die Göltzschtalbrücke ist eine Eisenbahnbrücke in Deutschland. Sie ist die größte gemauerte Brücke der Welt und war eine Zeit lang sogar auch die höchste Eisenbahnbrücke der Welt. Sie erstreckt sich über das Tal der Göltzsch zwischen Mylau und Netzschkau, rund 4 Kilometer westlich von Reichenbach im Vogtland im Freistaat Sachsen. Die Brücke wurde zwischen 1846 und 1851 als Teil der Bahnstecke zwischen Leipzig und Nürnberg  erbaut. Heute ist die Göltzschtalbrücke Teil der Sachsen-Franken-Magistrale Leipzig-Hof, etwa 10 Kilometer südlich überquert die Bahnlinie die kleinere Elstertalbrücke. Diese ist der Göltzschtalbrücke sehr ähnlich, war aber auch nicht verwundert, da diese wie die Göltzschtalbrücke ebenfalls von Professor Johann Andreas Schubert entworfen wurde.

Entwurf der Göltzschtalbrücke als Gefängnis (Bild: Volker Urban – Fotografiert von Volker Urban in einem öffentlichen Museum (Mylau, Deutschland), Gemeinfrei, Link)

Die Göltzschtalbrücke war die erste Brücke die einer vollständigen statischen Berechnung unterzogen wurde

Eine der größten Herausforderungen beim Bau einer Eisenbahnlinie zwischen Sachsen und Bayern war die Überbrückung des Göltzschtal. In der Hoffnung, einen finanziell tragfähigen Bauplan zu finden, kündigte die Sächsisch-Bayerische Eisenbahngesellschaft am 27. Januar 1845 in allen großen deutschen Zeitungen einen Wettbewerb mit einem Preisgeld von 1.000 Thalern an. Allerdings konnte keine der 81 Einreichungen durch statische Berechnungen nachweisen, dass sie den Beanspruchungen des Schienenverkehrs auf der Brücke standhalten würde. Das Preisgeld wurde schließlich auf vier Teilnehmer aufgeteilt, aber keiner ihrer Entwürfe wurde tatsächlich realisiert. Der Jury-Vorsitzende des Wettbewerbs, Professor Johann Andreas Schubert, entwarf schließlich unter Nutzung seiner neu gewonnenen statischen Kenntnisse selbst eine Brücke und ließ sich dabei von den eingereichten Entwürfen und dem im Sommer 1845 fertiggestellten Viadukt in Leubnitz, einem Ortsteil von Werdau, inspirieren. Die Göltzschtalbrücke war übrigens die erste Brücke der Welt, die einer vollständigen statischen Berechnung unterzogen wurde. Geplant war der Bau der Brücke hauptsächlich aus Ziegelsteinen. Dies war damals eine sehr ungewöhnliche Entscheidung, aber der Lehmreichtum in der näheren Umgebung machte eine schnelle und kostengünstige Herstellung von Ziegelsteinen möglich. Granit sollte nur für bestimmte kritische Segmente verwendet werden.

Mehr als 26 Millionen Ziegelsteine sollen verbaut worden sein

Der Grundstein wurde am 31. Mai 1846 gelegt. Der Brückenentwurf wurde nach dem Baubeginn aber nochmal überarbeitet, als gewisse technische Schwierigkeiten auftraten. So erwies sich zum Beispiel der vorgefundene Baugrund im Bereich der Göltzsch  als weniger tragfähig als bisher angenommen. Oberingenieur Robert Wilke löste dieses Problem, indem er die die ursprünglich geplanten gleichmäßigen Bögen durch einen großen Mittelbogen ersetzte, was die Anmutung des Bauwerks nur noch vergrößerte. Die Göltzschtalbrücke war für ihre Zeit ein außergewöhnlich großes Bauvorhaben. Täglich stellten die fast 20 Ziegeleien entlang der Bahnlinie 50.000 Ziegel mit den ungewöhnlichen Abmessungen von etwa 27,73 cm × 13,57 cm × 6,49 cm her. Diese sonderbaren Abmessungen beruhen auf der damals in Sachsen üblichen Maßangabe Sächsisches Zoll. Ein Ziegel hatte eine Größe von 11¾″ × 5¾″ × 2¾″ und ein Sächsisches Zoll entsprach 2,36 cm. Insgesamt sollen an der Brücke mehr als 26 Millionen Ziegelsteine verbaut worden sein.

Göltzschtalbrücke mit Amerikanischer Mühle und Brodfabrik v. F. A. Ketzel im Jahr 1856 (Von Druck und Verlag von Louis Oeser in Neusalza – SLUB Dresden Hist.Sax.M.232.o-2 http://digital.slub-dresden.de/id252070844, Gemeinfrei, Link)

31 Menschen starben bei Bau der Göltzschtalbrücke

Schlüsselpersonen beim Bau der Brücke waren Professor Johann Andreas Schubert, er war  Architekt und Statiker der Brücke. Oberingenieur Robert Wilke war Bauplaner und Oberaufseher, Ingenieur Ferdinand Dost war Bauleiter und Heinrich Carl war als Apotheker und Chemiker für die Mörtelzusammensetzung verantwortlich. Das Baugerüst der Brücke wurde aus insgesamt 23.000 Baumstämmen angefertigt, andere Quellen sprechen sogar von 230.000 Stämmen. 1.736 Bauarbeiter arbeiteten direkt an der Brücke und 31 Menschen starben bei Bau auf der Baustelle. Nach Fertigstellung und Einweihung der Brücke am 15. Juli 1851 war sie mit 78 m Höhe die höchste Eisenbahnbrücke der Welt. Noch heute hält sie den Rekord für die größte Ziegelsteinbrücke der Welt. Bereits im Jahr 1883 wurde in der nahe gelegenen Burg Mylau im Museum ein Raum dem Bau der Göltzschtalbrücke gewidmet. Dort sind unter anderem ein maßstabsgetreues Modell des Gerüsts, Kopien der ursprünglichen Baupläne, eine dreidimensionale Höhenkarte der Region sowie Fotografien und Gemälde vom Bau der Brücke zu sehen.

Detailaufnahme der Göltzschtalbrücke (Foto: André Karwath aka Aka, Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, Link)

2009 wurde die Göltzschtalbrücke „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“

Im Jahr 1930 erhielt die Brücke eine neuen Überbau aus Stahlbeton und eine Brüstung. Die Breite wurde dabei von  7,70 m auf 9 m vergrößert. In den Jahren 1955 bis 1958 wurde das Mauerwerk der Brücke komplett restauriert. Bis in die Mitte der 1970er Jahre  gab es immer wieder Ausbesserungs- und Reparaturarbeiten, einschließlich kleinerer Arbeiten wie zum Beispiel das Anbringen von Stahlabdeckungen. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde der Brückenüberbau auf 9,30 m verbreitert. Nach der politischen Wende und der deutschen Wiedervereinigung  baute man die Bahnstecken zwischen Süddeutschland und Sachsen wegen des zunehmenden Verkehrs aus. Die Göltzschtalbrücke als Teil der so genannten Sachsen-Franken-Magistrale wurde zwischen 1997 und 2000 ausgebaut. Zwischen 2006 und 2008 investierte die Deutsche Bahn an der Brücke 2,2 Millionen Euro in eine neue Befahranlage für Wartungsarbeiten. Im Juni 2009 erklärte die Bundesingenieurkammer die Göltzschtalbrücke zum Historischen Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst. Von Mitte 2010 bis Anfang 2012 wurde der Streckenabschnitt  zwischen Reichenbach im Vogtland und Hof elektrifiziert. Während dieser Bauarbeiten konnte jeweils nur ein Gleis für den Schienenverkehr genutzt werden. Dabei wurde der Überbau der Brücke erneuert und auf 11,92 m verbreitert, damit er die 22 Masten für die Oberleitungen tragen kann.

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Quelle: wikipedia.org