Artikel aus der BMW-Werkszeitung bayernmotor (Ausgabe Februar 1977):

Werk Dingolfing beschließt: Die Arbeitssicherheit ist Schwerpunkt ´77

Dingolfing (br) – Noch rechnen die Qualitäts-Verantwortlichen, was das „Jahr der Qualität“ 1976 unterm Strich gebracht hat (bayernmotor wird in der nächsten Ausgabe berichten). Schon kündigt sich jedoch die nächste große Kampagne an. Auch 1977 löst Dingolfing sie aus: In der Werksgruppe 2 wird die Arbeitssicherheit zum Schwerpunkt erklärt.

Mehr als 5500 Arbeitstage sind allein in der ersten Hälfte des letzten Jahres bei BMW in Dingolfing wegen meldepflichtiger Unfälle ausgefallen.

Und das sind noch nicht alle: denn meldepflichtig sind Unfälle erst, wenn deswegen mindestens drei Tage Arbeit ausfallen. Dabei sind schwere Unfälle auch im Dingolfinger BMW-Werk glücklicherweise selten. Fast immer sind es Bagatellen, derentwegen die Arbeit stockt. Dingolfings Sicherheitsingenieur Peisl: „Manchmal verursacht so eine Kleinigkeit nur 50 Mark Arztkosten, aber zwei Wochen Arbeitsausfall.“

Die Dingolfinger Unfallstatistik weist etwas höhere Zahlen aus als die von BMW München. Das ist leicht zu erklären: Das stürmische Wachstum des niederbayerischen Werks hat viele hundert Arbeitskräfte in den Betrieb geholt, die vorher nur die Landwirtschaft kannten. Arbeitstechniken und Risiken der industriellen Welt waren ihnen fremd, Gerade die Neuen im Betrieb sind besonders stark gefährdet.

Werksleiter und Sicherheitsingenieur in Dingolfing haben sich deshalb die Aufgabe gestellt, 1977 die Unfallzahlen in ihrem Werk spürbar zu senken. Sie wissen, dass sie das alleine nicht können. Denn Unfallverhütung muss in der Fertigung ebenso wie in der Verwaltung, im Ersatzteillager ebenso wie bei der Instandhaltung und in der Planung Aufgabe jedes einzelnen sein.

Natürlich wurden die Kollegen über Arbeitssicherheit auch bisher schon unterrichtet: als Information der Vorgesetzten, in Statistiken, in Lehrgängen.

Der Sicherheitsingenieur

  • spricht mit bei der Planung neuer Anlegen; er ist auch dabei, wenn Maschinen und Anlagen abgenommen werden;
  • er kümmert sich darum, dass neue Leute wenigstens die Grundzüge sicheren Verhaltens am Arbeitsplatz kennen.

Das „Jahr der Arbeitssicherheit“ soll aber mehr erreichen. Jeder Beschäftigte, vom Neuling bis zur Führungsspitze, soll es sich zur Aufgabe machen, Unfälle verhüten zu helfen. „Nur wenn alle mithelfen“, erklärt Peisl, „wenn Unfallverhütung also nicht nur dem Werkmeister, den Führungskräften oder dem Sicherheitsingenieur mit seinen Fachkräften überlassen bleiben, können wir dieses Ziel erreichen.“

Wieder Plakate

Auf den großen Plakatwänden, mit denen das Werk letztes Jahr für mehr Qualität geworben hat, werden voraussichtlich schon bald neue bunte Bilder auftauchen. Geplant sind auch Aufkleber für Maschinen und vielleicht wieder eine Nadel, die sich ein sicherheitsbewusster Mitarbeiter an den Hut oder ans Revers stecken kann.

Von der Berufsgenossenschaft kommt eine Wanderausstellung mit Film- und Dia-Show, die Peisl in den Dingolfinger Kantinen und Werksbereichen zeigen will.

Schautafeln über den Stand der Unfallverhütung in den einzelnen Abteilungen sollen jedem Kollegen klar machen, zu welchen Ergebnissen die gemeinsame Anstrengung führt.

Im Laufe dieses Arbeitssicherheitsjahres wird es ein Sicherheits-Preisausschreiben geben. Auch ein Sicherheitshandbuch für die Planer wird verteilt.

Besonders will sich Peisl um die Sicherheitsbeauftragten, also seine „Freiwillige Feuerwehr“ in den Hallen kümmern. Schon beschlossen ist ein Erste-Hilfe-Kurs für alle Sicherheitsbeauftragten in der Dingolfinger Werksgruppe.

Mit von der Partie sind die Gewerbeaufsicht und die Berufsgenossenschaft ebenso wie die Bundes-   und Landesinstitute für Arbeitsschutz und Unfallverhütung. Sie alle haben ein gemeinsames Interesse daran, dass die Arbeitssicherheit bei BMW besser wird und das Werk und ihre Beschäftigten vor jedem denkbaren Schaden bewahrt bleiben.

 

Quelle: BMW Group