Allgemeine Automobil-Zeitung – Freitag, 01. Juli 1938 – Seite 11 und 12

Steyr Typ 55 Seite 1

Original-Zeitungsartikel der Allgemeinen Automobil-Zeitung vom 01. Juli 1938 (Quelle: anno.onb.ac.at)

Steyr Typ 55 Seite 2

Original-Zeitungsartikel der Allgemeinen Automobil-Zeitung vom 01. Juli 1938 (Quelle: anno.onb.ac.at)

STEYR TYP 55

Baby hat einen Bruder bekommen! Gemeint ist natürlich das Steyr-50-Baby, dem nunmehr in Gestalt eines Bruders — und zwar eines größeren, bzw. richtiger gesagt eines stärkeren Bruders —ein neuer, aber sehr naher Anverwandter erstanden ist. Nicht etwa, daß die Eltern des Babys sich nach einem neuen „Kind“ umgesehen hätten, weil das Baby nicht alle Erwartungen erfüllt, die man auch in so ein Auto-Kind setzt. Nein, einfach um — ernstlich gesprochen — auf jenem Entwicklungsweg weiterzuschreiten, der mit der Schaffung des Typ 50 so erfolgreich eingeleitet worden ist. Gerade deshalb, weil der „Fünfziger“ durchaus gehalten hat, was man von ihm erwartete, wird nunmehr der technischen Entwicklung, die ja bekanntlich nie- stille steht, Rechnung getragen und jener modernisierte Typ 55 herausgebracht.

Der 55er Steyr ist der Hauptsache nach motorisch etwas stärker als sein Bruder. Der Vierzylinder-Boxermotor hat 1158 ccm Hubraum und leistet bei 3600 Umdr./min. 25 1/2 PS. Natürlich ist diese ebenso zweckmäßige, wie technisch schöne Maschine (64 mm Bohrung und 90 mm Hub) in Gummi gelagert, ebenso wie z. B. auch das Ausgleichgetriebe. Die Folge ist ein sehr ruhiger Gang des Wagens. Die geräumige Innenform war schon beim „Fünfziger“ sprichwörtlich — dies als Folge des weit vorne liegenden Boxermotors — und der Typ 55 ist naturgemäß mindestens ebenso gut in dieser Beziehung. Alle Sitze sind zwischen den Achsen angeordnet, das ergibt hohen Fahrkomfort. Die Stahlrohrsitze passen sich der Körperform der Insassen gut an und geben viel Bewegungsfreiheit; die Vordersitze sind außerdem verstellbar.

Zur Bequemlichkeit des Fahrers im weiteren Sinn des Wortes trägt u. a. auch die Eindruck-Zentralschmierung bei, denn sie erleichtert die richtige Wartung des Wagens. Der Vigot-Wagenheber macht den Radwechsel bequem und sorgt dafür, daß dem Fahrer in jeder Beziehung die Betreuung und der Betrieb des Wagens so angenehm wie möglich wird.

Die schier unübertreffliche Straßenlage des Steyr 55 ist in der vorteilhaften Gewichtsverteilung ebenso begründet, wie in den jahrelang erprobten Schwingachsen, die dem Wagen mit seinem tiefen Schwerpunkt auch bei forciertem Tempo und min ­ der guten Straßen Sicherheit verleihen. Diese Straßenlage zusammen mit sehr wirksamen Bremsen und dem Hochleistungsmotor erlauben Durchschnitte, die auch für größere und teurere Wagen, als es der Steyr 55 ist, für sehr ansehnlich gelten müssen. Infolge des praktisch gewählten Viergang- Getriebes paßt sich der Wagen in jedem Gelände vorzüglich den Erfordernissen an und ist somit auch ein recht guter Bergsteiger. Dies ist ja für uns Ostmärker mit der meist hügeligen Gegend eine Wichtigkeit.

Zusammenfassend muß man sagen, daß der Steyr 55 ein technisch hochmoderner, dabei im Betrieb und in der Wartung sehr anspruchsloser Wagen ist, der auch dem Gebot der Wirtschaftlichkeit durchaus entspricht. Die rahmenlose Bauart mit selbsttragender Stahlkarosserie erlaubt Gewichtsersparnis, die sich wiederum im Verbrauch auswirkt, denn jedes Kilogramm Wagengewicht braucht letzten Endes auch wieder Benzin. Die Steyr-Werke geben einen Verbrauch von 7 bis 8 Liter auf je 100 km an- Ölverbrauch 1 Liter auf ca. 500 Kilometer. Wagengewicht fahrfertig: 830 und zulässige Belastung maximal 350 kg, mithin Gesamtgewicht höchstens 1180 kg. Der kleinste Wendekreisdurchmesser wird mit 10 1/2 Meter angegeben. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 95 km (Tachometer). Im Übrigen lehnt sich, wie erwähnt, der Typ 55 weitgehend an den 50er an. So z. B. in der äußeren Formgebung, in der elektrischen Ausrüstung, Innenausstattung, usw.

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Quelle: anno.onb.ac.at