Das war das Jahr 1978 im BMW Werk München

Das Jahr im Überblick

BMW 3er (E21)

BMW 3er (E21) – (Foto: BMW Group)

Januar

  • Serienanlauf des M 60-Einspritzmotors (später M20). Diese Sechszylinder-Maschine tritt, bis auf einige Länderausführungen, die Nachfolge des 2,0-Liter-4-Zylinder-Einspritzers an. Dieser Motor wird in den BMW 323 i eingebaut, mit dem BMW seinen Kunden wieder ein besonders sportliches Fahrzeug anbieten kann, das an die Tradition der 2002-Typen anknüpft.
  • Mit der Integration des bisherigen Bereichs Kaufteile, Disposition und Beschaffung in die Werkslogistik München wird die Strukturorganisation „Logistik“ abgeschlossen.

Februar

  • Der älteste von 186 Teilnehmern beim 1. BMW-Skitag, Ende Februar, ist 70 Jahre alt. Gäste aus allen Werken, sogar aus Salzburg von der dortigen österreichischen BMW-Niederlassung, kommen zum Hausberg nach Garmisch-Partenkirchen. Für jede Klasse gibt’s Pokale und für alle Teilnehmer Urkunden.
  • Die schrittweise Dezentralisierung der Lohnabrechnung beginnt. Bis Anfang 1978 erfolgte die Lohnabrechnung für alle Werke, Niederlassungen und Tochtergesellschaften zentral in München. Ab Februar wird sie für die Werksgruppe 2 stufenweise nach Dingolfing übernommen. Die maschinelle Abwicklung bleibt allerdings in München. so dass die hier erstellten Programme und Arbeitsrichtlinien auch für Dingolfing übernommen werden können.
BMW 520 (E12)

BMW 520 (E12) – (Foto: BMW Group)

März

  • April 1978, die Tarifauseinandersetzung im Tarifbezirk Nord-Württemberg Nordbaden beginnt; sie dauert bis zum 10. April 1978. Die Materialversorgung der Produktion bei BMW ist bis zum 04. April 1978 gesichert.
  • Bei der Betriebsratswahl ergibt sich eine absolute Mehrheit für die Liste 1 der IG Metall. Bei 14.763 abgegebenen Stimmen wird die bisherige Betriebsratsmannschaft mit Kurt Golda an der Spitze — bis auf sieben Neuzugänge —mit 11.139 Stimmen im Amt bestätigt. 39 Betriebsräte, davon 27 Lohnempfänger und 12 Angestellte, vertreten die Interessen der Mitarbeiter für die nächsten drei Jahre.

April

  • Die Automatisierung in der Münchner Gießerei macht Fortschritte, im April geht eine vollautomatische Druckgieß-Maschine mit einer Schließkraft von 1600 t in Betrieb. Zwei weitere Maschinen gleichen Typs folgen im Laufe des Jahres.
  • Nach drei Kurzarbeitstagen wegen der Tarifauseinandersetzung läuft die Produktion am 10. April wieder reibungslos an.

Juni

  • Mit der Vorstellung des 3.5-Liter-Einspritzmotors (M 90) wird das Programm der 6er-Reihe nach oben erweitert. Das Coupé 635 CSi stellt nun das Flaggschiff der BMW-Automobilpalette dar.

Juli

  • Das Mehrzweckgebäude 10 wird nach 15monatiger Bauzeit bezogen. Das erleichtert die Versorgung der Montage mit Teilen. Während der Bauzeit waren sie 15 Kilometer entfernt gelagert.
  • Mit bayernmotor (Zeitung für Mitarbeiter der BMW-Gruppe) beim Grand Prix 1978 am Hockenheimring. Dabei sind am ersten Betriebsurlaubs-Wochenende fast 90 BMW-Mitarbeiter aus München, Landshut und Dingolfing. Beim „Motorsportfestival“ erleben sie unter anderem Harald Ertls Superrenner BMW 320 Turbo in voller Aktion.
  • Die Motorträger-Schweißanlage zieht von Gebäude 5 nach Gebäude 32.4 um. Nach dem Betriebsurlaub geht der Anlauf ohne allzu große Schwierigkeiten über die Bühne. Der neue Standort liegt zumindest für das Wartungspersonal wesentlich günstiger.
  • Das Projekt LODAZEF (Lohndaten-und Zeiterfassung) startet mit einer Automatisierung der Zeiterfassung im Sommer 1978. Sie beginnt damit, dass Stempeluhren und Stempelkarten durch neue Erfassungsgeräte ersetzt werden. Der Werksausweis ist der „Schlüssel“ für die maschinelle Speicherung aller An- und Abwesenheitszeiten und der maschinellen Weiterverarbeitung.
  • Die Planungsarbeiten für eine zweite Werksreparatur in der Detmolder Straße beginnen. Grund: Die Platznot in der Werksreparatur an der Riesenfeldstraße wird immer größer. Ursprünglich für 90 Fahrzeuge pro Tag konzipiert, werden hier durchschnittlich täglich 168 Fahrzeuge pro Tag gewartet, instandgesetzt und repariert. Trotz aller Verbesserungen, Rationalisierungen und Einsparungen gibt es Wartezeiten und Parkplatzprobleme. Nach dem Neubau soll damit Schluss sein.
BMW 7er (E23)

BMW 7er (E23) – (Foto: BMW Group)

August

  • Viel zu tun gibt es in diesem Betriebsurlaubsmonat. Während der Werksferien wird die Decklackstraße 1 in der Lackiererei erweitert. Bisher gab es hier nur Unilackierungen. Die steigende Nachfrage nach Metalliclackierungen kann jetzt befriedigt werden.
  • Zum Betriebsurlaub werden fast alle Motortypen an neue Verbrauchs- und Abgasgesetze angepasst. Alle großen Sechszylinder-Einspritzmotoren erhalten neue Nockenwellen. Dadurch erhöht sich die Leistung der Motoren.
  • Die Schleifstraße für Stoßstangenhörner wird während der Werksferien zum Bearbeiten von Stoßstangenmittelteilen umgebaut und erweitert. Gleichzeitig werden die Arbeitsplätze verbessert: Staub- und Lärmbelastung werden geringer.
  • Um die ärgsten Engpässe in der Werksreparatur kurzfristig zu verringern, wird mit dem Bau eines zweigeschossigen Parkdecks begonnen, dass besonders die Parkplatzsorgen verkleinern soll.

September

  • Immer mehr Computer in der Produktion, nach dem Werksurlaub beginnt die rechnergesteuerte Bandbelegung in der Montage. Der Rechner ist mit der Anlagensteuerung des Karossen-Speichers direkt gekoppelt.
  • Die Halle 10, ein kombiniertes Produktions- und Lagergebäude, wird in Betrieb genommen. Die verbesserte Schiebedachfertigung mit einem Spritzroboter läuft an. Der Werker muss jetzt nicht mehr, wie bisher, mit einer Atemschutzmaske in der Kabine arbeiten. Er bestückt jetzt nur noch den Kettenförderer.
  • Die Mechanisierung der zweiten von insgesamt vier Großpressenstraßen in der Halle 154 ist abgeschlossen. Die Großpressteile für Karosserien werden nun von mechanischen Greifarmen eingelegt und wieder entnommen, wofür bisher Muskelkraft aufgewendet werden musste.
  • Abgeschlossen sind die Arbeiten zur Vergrößerung des Vorderbauspeichers. Er hat nun die doppelte Kapazität. Die Mitarbeiter vom Vorderbauband werden jetzt kaum noch von Ausfallzeiten der „Kuka“ betroffen.

Oktober

  • Im Motorenbau läuft die Montage des Motors für das M 1-Coupe an, der stärkste BMW-Serienmotor (in der Straßen-version 290 PS). Eine kleine Spezialisten-Truppe außerhalb des Bandes baut ihn auf.
  • Familienbesuch im Werk, nach guten Erfahrungen mit den Angehörigen deutscher Mitarbeiter organisiert die Besucherbetreuung jetzt auch Führungen für die Verwandten und Bekannten ausländischer Mitarbeiter.
  • DGB-Chef Heinz Oskar Vetter besucht das Milbertshofener Werk. Während eines 90 minütigen Rundgangs spricht er auch mit BMW-Mitarbeitern am Arbeitsplatz.
  • Der erste Bauabschnitt zur Erweiterung der Gießerei in der Halle 24 ist abgeschlossen. Der zweite Bauabschnitt soll im April 1979 beginnen.
BMW M1 (1978-1981)

BMW M1 (1978-1981) – (Foto: BMW Group)

November

  • Auch die Motorenmontage wird zunehmend von Computern unterstützt. Beim Testbetrieb im November bewähren sich von BMW mitentwickelte Mikroprozessoren als Erfassungsgeräte am Montageband. Im Vergleich zu der Anfang des Jahres vorliegenden Programmplanung werden bis Jahresende mehr als 13 000 Motoren zusätzlich gefertigt. Dies ist Voraussetzung für die Stückzahlerhöhung der Montagewerke München und Dingolfing.
  • Die vierte mobile Schule des Kundendienstes geht in Einsatz. Damit kann die Handelsorganisation in der Bundesrepublik kurzfristig und aktueller informiert werden.
  • Der 500.000ste Wagen der 3er-Reihe verlässt am 14. November den Rohbau.
  • Neue Regenrinnen-Richt- und Fräsvorrichtungen werden an den Bändern eingesetzt. Niemand muss mehr die schweren, alten Vorrichtungen in jede Karosserie einsetzen und verriegeln. Die neue Anlage fixiert sich nämlich automatisch.
  • Umweltfreundlichkeit beim innerbetrieblichen Transport, nach der systematischen Elektrifizierung der Stapler in den vergangenen Jahren wird im November auch die Umstellung derjenigen Schlepper von Diesel- auf Elektroantrieb abgeschlossen, die den Teiletransport in und zwischen den Hallen besorgen. 45 von 56 Schleppern haben jetzt Elektroantrieb, die restlichen Dieselschlepper laufen nur noch als Reserve und zu Rampenfahrten. Fast 84 Prozent aller innerhalb des Werks eingesetzten Fahrzeuge fahren nun mit Strom.

Dezember

  • Das Projekt „Alabama“ nimmt die erste und wohl wichtigste Hürde, der Münchner Stadtrat stimmt grundsätzlich zu.
  • Das L-Ressort beginnt seinen Umzug in das Gebäude 75. Die neue Kleinteilelackiererei ist fertig. Am 19. Dezember 1978 werden die ersten Karosserieteile zur Probe phosphatiert.
  • Abschluss-Bilanz 1978 bei der Arbeitssicherheit: Trotz erhöhter Produktion und fast 400 mehr Mitarbeitern ist die Unfallhäufigkeit zurückgegangen. Pro 1000 Mitarbeiter geschahen im Münchner Werk 95 Unfälle gegenüber 99 im Vorjahr 1977. Das entspricht einem Rückgang von 4,1 Prozent. Damit setzt sich der seit 1976 anhaltende Trend zu mehr Sicherheit am Arbeitsplatz fort.
  • Es ist geschafft, trotz mehrmaliger Programmänderungen und Stückzahlerhöhungen ist das 78er-Programm voll erfüllt worden. 182.116 BMW der 3er-Reihe liefen vom Band.
  • Zum Jahresabschluss kann der BMW-Kundendienst eine stolze Bilanz ziehen. Rund 10.000 Mitarbeiter der Handelsorganisation wurden 1978 in 540 Seminaren geschult. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 20 Prozent. Fast 60 Prozent aller Mitarbeiter der BMW-Handelsorganisation drückten 1978 einmal die Schulbank.

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Quelle: BMW Group