//8. Dezember 1983 -Die Raummission STS-9 endet mit der Landung der Raumfähre Columbia auf der Erde

8. Dezember 1983 -Die Raummission STS-9 endet mit der Landung der Raumfähre Columbia auf der Erde

STS-9 war die sechste Mission des Space Shuttle Columbia

STS-9 Missionsemblem

STS-9 Missionsemblem (Von SunKing – Link, Gemeinfrei, Link)

STS-9 war die neunte NASA Space Shuttle Mission und die sechste Mission des Space Shuttle Columbia (OV-102). Die zehntägige Mission, die am 28. November 1983 gestartet wurde, trug das erste Spacelab-Labormodul in den Orbit und war der letzte Flug der Columbia bis zur STS-61-C Mission im Januar 1986. Die STS-9 Mission war zugleich auch die letzte Mission, die das ursprüngliche STS-Nummerierungssystem verwendete. Nach dem neuen Nummerierungssystem wäre STS-9 als STS-41-A bezeichnet worden. Der ursprünglich geplante Nachfolger von STS-9, die STS-10 Mission, wurde wegen Verspätungen mit der Nutzlast, einem Satelliten des US-Verteidigungsministeriums, abgesagt. Ken Mattingly, Loren Shriver, Ellison Onizuka, James Buchli und der erste Militärastronaut Nutzlastspezialist Gary Payton waren für den Flug im November 1983 vorgesehen gewesen. Stattdessen folgte die STS-41-B Mission.

Offizielles Portrait der STS-9 Crewmitglieder. Von links nach rechts sitzen Owen Garriott, Missionsspezialist; Brewster Shaw, Pilot; John Young, Kommandant; und Robert Parker, Missionsspezialist. Von links nach rechts stehen die Nutzlastspezialisten Byron Lichtenberg und Ulf Merbold.

Offizielles Portrait der STS-9 Crewmitglieder. Von links nach rechts sitzen Owen Garriott, Missionsspezialist; Brewster Shaw, Pilot; John Young, Kommandant; und Robert Parker, Missionsspezialist. Von links nach rechts stehen die Nutzlastspezialisten Byron Lichtenberg und Ulf Merbold. (Von NASA – Link, Gemeinfrei, Link)

Ulf Merbold war der erste Westdeutsche im All

STS-9 schickte den ersten Nicht-US-Bürger, Ulf Merbold, in den Weltraum. Er war damit der erste westdeutsche Staatsbürger, der ins All ging. Die sechsköpfige Besatzung der STS-9, die zu dieser Zeit die bisher größte aller bemannten Raumfahrtmissionen war, umfasste John W. Young, Kommandant, auf seinem zweiten Shuttleflug; Brewster H. Shaw, Pilot; Owen Garriott und Robert A. Parker, beide Missionsspezialisten, und Byron K. Lichtenberg und Ulf Merbold, Nutzlastspezialisten – die ersten beiden Nicht-NASA-Astronauten, die mit dem Space Shuttle fliegen. Der westdeutsche Staatsbürger Merbold nahm als erster ausländischer Staatsbürger an einem Shuttleflug teil. Lichtenberg war Forscher am Massachusetts Institute of Technology. Der Astronaut Owen Garriott  hatte im Jahr 1973 bereits 56 Tage im Weltall an Bord von Skylab verbracht und  John Young absolvierte seinen sechsten und letzten Flug nach einer 18-jährigen Raumfahrt-Karriere. Damit ist er insgesamt zweimal in Gemini, Apollo und dem Shuttle geflogen, was ihn zum erfahrensten Raumfahrer aller Zeiten machte.

Die Finanzierung von Spacelab 1 erfolgte durch die ESA

Die Mission war ganz dem Spacelab 1 gewidmet, einem gemeinsamen Programm der NASA und der ESA (European Space Agency), das die Fähigkeit zur Durchführung fortschrittlicher wissenschaftlicher Forschung im Weltraum demonstrieren sollte. Sowohl die Missionsspezialisten als auch die Nutzlastspezialisten arbeiteten im Spacelab-Modul und koordinierten ihre Bemühungen mit den Wissenschaftlern des  POCC  (Marshall’s Payload Operations Center), das sich damals im Johnson Space Center in Texas befand. Die Finanzierung von Spacelab 1 erfolgte durch die ESA.

Die Columbia wurde für die STS-9 Mission modifiziert

Nachdem das Space Shuttle Columbia im November 1982 von STS-5 zurückgekehrt war, erhielt es mehrere Modifikationen und Änderungen in Vorbereitung auf die  STS-9 Mission. Die meisten dieser Änderungen dienten der Unterstützung des Spacelab-Moduls und der Besatzung, wie z.B. die Hinzufügung eines Tunnels, der das Spacelab mit der Luftschleuse des Raumschiffes verbindet, und zusätzliche Vorkehrungen für die sechs Besatzungsmitglieder der Mission, wie z.B. eine Kombüse und Schlafkojen. Die Columbia erhielt auch die leistungsstärkeren Haupttriebwerke, die mit der Challenger eingeführt wurden und für 104% maximalen Schub ausgelegt waren. Ihre ursprünglichen Haupttriebwerke wurden für den Einsatz in der Raumfähre Atlantis, die sich zu dieser Zeit noch im Bau befand, überholt. Hinzu kamen Brennstoffzellen mit höherer Kapazität und eine Ku-Band-Antenne für den Ortungs- und Datenrelais-Satelliten TDRS (Tracking and Data Relay Satellite).

Der Starttermin wurden wegen technischer Probleme verschoben

Der ursprüngliche Starttermin der Mission, der 29. Oktober 1983, wurde aber aufgrund von technischen Bedenken bezüglich der Auspuffdüse am rechten Feststoffraketen-Booster (SRB) verschoben. Zum ersten Mal in der Geschichte des Shuttle-Programms wurde das Space Shuttle zurück in das Vehicle Assembly Building (VAB) gerollt, wo der  Orbiter abgebaut und in die Orbiter Processing Facility zurückgebracht wurde. Nachdem der verdächtige Booster repariert  und das Shuttle umgebaut wurde, kehrte es am 8. November 1983 zur Startrampe zurück. STS-9 startete dann  erfolgreich  am am 28. November  1983  um 11 Uhr EST vom Kennedy Space Center .

STS-9 startet vom Kennedy Space Center am 28. November 1983.

STS-9 startet vom Kennedy Space Center am 28. November 1983 (Von NASA – Link, Gemeinfrei, Link)

Im Laufe der Mission wurden 72 Experimente durchgeführt

Die Crew des Shuttles war in zwei Teams aufgeteilt, die in jeweils 12-Stunden-Schichten für die Dauer der Mission arbeiteten. Young, Parker und Merbold bildeten das Red Team, während Shaw, Garriott und Lichtenberg das Blue Team bildeten. Normalerweise wurden Young und Shaw dem Cockpit zugewiesen, während die Missions- und Nutzlastspezialisten im Spacelab arbeiteten. Im Laufe der Mission wurden 72 wissenschaftliche Experimente durchgeführt, die sich über die Bereiche Atmosphären- und Plasmaphysik, Astronomie, Sonnenphysik, Materialwissenschaften, Technologie, Astrobiologie und Erdbeobachtung erstreckten. Die Spacelab-Bemühungen liefen so gut, dass die Mission um einen weiteren Tag auf 10 Tage verlängert wurde, was sie zum längsten Shuttle-Flug der damaligen Zeit machte. Darüber hinaus hat Garriott während des Fluges die ersten Amateurfunkübertragungen eines Amateurfunkers im All durchgeführt. Dies führte zu vielen weiteren Weltraumflügen, bei denen Amateurfunk als Unterhaltungs- und Begleitkommunikationsmittel eingesetzt wurde.

Spacelab 1 legte den Grundstein für weitere Wissenschaftsmissionen

Die Mission Spacelab 1 war sehr erfolgreich und bewies die Machbarkeit des Konzepts, komplexe Experimente im Weltraum mit Nicht-NASA-Personen durchzuführen, die in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des POCC zu Nutzlastspezialisten ausgebildet wurden. Darüber hinaus konnte der jetzt voll funktionsfähige TDRS-1-Satellit erhebliche Datenmengen an das POCC weiterleiten.

Kurz vorm Wiedereintritt wäre es beinahe zu einem Totalverlust gekommen

Während der Ausrichtung des Shuttles, vier Stunden vor dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre, stürzte einer der Flugkontrollcomputer ab, als die RCS-Steuertriebwerke ausgelöst wurden. Ein paar Minuten später stürzte ein zweiter Rechner ab, konnte aber erfolgreich neu gestartet werden. Young verzögerte die Landung und ließ das Schuttle frei fliegen. Er sagte später: „Hätten wir dann die Backup Flight Software aktiviert, wäre es zu einem Verlust von Raumschiff und Besatzung gekommen“. Die Analyse nach dem Flug ergab, dass die GPCs  ausgefallen sind, als die Bewegung des RCS-Triebwerks ein Stück Lötzinn losgeschlagen und das CPU-Board kurzgeschlossen hat.

Columbia landete auf der Edwards Air Force Bace

Columbia landete am 8. Dezember 1983 um 15:47 Uhr PST auf der Startbahn 17 der Edwards Air Force Base, nachdem es 166 Erdumlaufbahnen absolviert und im Laufe seiner Mission 6,8 Millionen Kilometer zurückgelegt hatte. Kurz vor der Landung gerieten zwei der drei Hilfstriebwerke des Orbiters wegen eines Hydrazinlecks in Brand, als sich freigesetzter Treibstoff an einer heißen Oberfläche entzündete. Der Orbiter landete trotzdem erfolgreich. Columbia wurde am 15. Dezember zurück zum Kennedy Space Center  befördert. Das Leck wurde später entdeckt, nachdem es von selbst ausgebrannt war und große Schäden an der Anlage verursacht hatte. Das Shuttle wurde dann zu einem umfangreichen Renovierungs- und Upgrade-Programm geschickt, um es mit dem neueren Challenger-Orbiter sowie dem kommenden Discovery- und Atlantis-Orbitern auf den neuesten Stand zu bringen. Dies hatte zur Folge, dass Columbia 1984 und 1985 nicht mehr in All geflogen ist.

By |2018-08-03T10:04:57+02:00Dezember 8th, 2017|Kalenderblatt|0 Comments

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