//18.12.2003 – Außerdienststellung des Zerstörer Lütjens

18. Dezember 2003 – Außerdienststellung des Zerstörer Lütjens

Die Außerdienststellung bedeutet das Ende der Dampfschifffahrt bei der Deutschen Marine

Mit der Außerdienststellung des Zerstörer Lütjens nach über 30 Dienstjahren am 18. Dezember 2003 endet in der Deutschen Marine die Ära der Dampfschifffahrt. Das Kriegsschiff wurde nach einer Fahrleistung von 800.000 Seemeilen (1.500.000 km) stillgelegt. Sie war das letzte dampfbetriebene Schiff und das letzte Schiff, das als Zerstörer der Deutschen Marine eingestuft wurde. Am 14. September 2001, drei Tage nach den Terroranschlägen vom 11. September, stand die Mannschaft der Lütjens an Deck Spalier als sie sich den Zerstörern USS Winston S. Churchill und USS Gonzalez näherten. Dabei zeigten sie eine amerikanische Flagge und ein Transparent mit der Aufschrift „We Stand By You“.

Der Zerstörer Lütjens (D185) beim Einlaufen in Kiel am 12. Juli 2003

Der Zerstörer Lütjens (D185) beim Einlaufen in Kiel am 12. Juli 2003 (Von Vater von (father of) DarkoneEigenes Werk, CC BY-SA 2.5, Link)

Neben der Lütjens gab es noch die baugleichen Schwesterschiffe Mölders und Rommel

Die Lütjens  war ein Lenkwaffen-Zerstörer der deutschen Bundesmarine, ihre Hauptaufgabe war die Flugabwehr als Verbandschutz. Es handelte sich bei dem Schiffstyp um eine modifizierte Version der amerikanischen Charles-F.-Adams-Klasse, die in den 1960er Jahren für die Bundesmarine gebaut wurde. Neben der Lütjens gab es noch die baugleichen Schwesterschiffe Mölders und Rommel. Die Charles-F.-Adams-Klasse basierte auf einem gestreckten Rumpf der Forrest-Sherman-Klasse. Diese Änderung war nötig  um einen RUR-5 ASROC Raketenwerfer und alle dazugehörigen Geräte unterzubringen.

Lütjens und Mölders 1969 vor der Bauwerft in Bath

Lütjens und Mölders 1969 vor der Bauwerft in Bath (Von Kai Kowalewski Kowa (Diskussion) 13:57, 6. Apr. 2012 (CEST), (6. April 2012 (original upload date)). Der ursprünglich hochladende Benutzer war Kowa in der Wikipedia auf DeutschEigenes Werk (Photo), CC BY-SA 3.0, Link)

Insgesamt gab es 29 Schiffe dieses Typs

Insgesamt wurden 29 Zerstörer der Charles-F.-Adams-Klasse gebaut. 23 Schiffe wurden für die US Navy und sechs Schiffe für ausländische Marinen gebaut. Drei dieser Schiffe waren für die Bundesmarine bestimmt, in der die Schiffe als Klasse 103 (Lütjens-Klasse) fuhren. Diese drei Schiffe wurden bei  Bath Iron Works gebaut.  Am 1. März 1966 war die Kiellegung der Lütjens, am 11. August 1967 wurde sie vom Stapel gelassen und am 22. März 1969 wurde das Schiff dann schließlich in Dienst gestellt. Die anderen drei Schiffe wurden auf den Werften der Defoe Shipbuilding Company gebaut und waren für die Royal Australian Navy bestimmt. Hier fuhren die Schiffe als Perth-Klasse.

Die drei Schiffe der Bundesmarine verfügten über keine normalen Schornsteine

Die sechs Auslandsschiffe wurden an die Wünsche der jeweiligen Marineführungen angepasst. Die an die  Royal Australian Navy gelieferten Schiffe erhielten unter anderem eine andere Waffenzuladung und die an die Bundesmarine gelieferten Schiffe wurden im Zuschnitt der Räume und vor allem der Elektronikausstattung verändert. Desweiteren wurde  ein zweiter Mast installiert und außerdem verfügen die deutsche Schiffe über keine Schornsteine, sondern über  „Macks“ mit seitlichen Rauchgasabzügen.  Mack ist im Schiffbau eine Bezeichnung für eine Kombination aus Mast und Rauchabzug (engl. stack). Der Name entsteht aus der Zusammenziehung der englischen Bezeichnungen „mast“ und „stack“. Macks werden zumeist auf Kriegsschiffen eingesetzt, wo sie eine platzsparende Methode sind, um umfangreiche elektronische Anlagen unterzubringen.

Die Lütjens im Jahr 1988

Die Lütjens im Jahr 1988 (Foto: USN – National Archives and Records)

Die Höchstgeschwindigkeit betrug 36 Knoten

Die drei Schiffe der Lütjens-Klasse hatten eine Gesamtlänge von 134,48 Metern, eine Breite von 14,35 Metern und einen maximalen Tiefgang von 6,1 Metern. Sie verdrängten bei voller Beladung 4.162 Bruttoregistertonne (BRT)  und Ihre Besatzung bestand aus 334 Mann. Sie waren mit zwei Getriebedampfturbinen von General Electric ausgerüstet, die jeweils eine Propellerwelle antrieben und mit Dampf aus vier D-V2M-Wasserrohrkesseln betrieben wurden. Die Turbinen erzeugten 70.000 Wellen-PS (52.000 kW), um die geplante Höchstgeschwindigkeit von 36 Knoten (67 km/h) zu erreichen. Die Lütjens-Klasse hatte eine Reichweite von 4.500 Seemeilen (8.300 km) bei einer Geschwindigkeit von 20 Knoten (37 km/h).

Kanonen, Raketen und Torpedos

Die drei Zerstörer Lütjens, Mölders und Rommel waren mit je zwei 5″/54 Kaliber Mark 42 Kanonen bewaffnet. Eine Kanone befand sich vorne und  eine hinten am Aufbau des Schiffes. Die Schiffe waren zusätzlich mit einem ASROC-Raketenwerfer zwischen den „Macks“  ausgestattet. Eine Nahbereichs-U-Boot-Abwehr wurde durch zwei dreifache Sätze von 324-Millimeter-Torpedorohren vom Typ Mk 32 gewährleistet. Die primäre Bewaffnung der Schiffe war  aber die Tartar Boden-Luft-Rakete, die zur Verteidigung der Flugzeugträgerkampfgruppe entwickelt wurde, die die Schiffe im Flottenverband begleiteten. Die Raketen wurden über den einarmigen Raketenwerfer Mk 13 abgefeuert. Jedes der drei Schiffe konnte 40 Boden-Luft-Raketen mitführen .

Die Lütjens 2012 entmilitarisiert in Wilhelmshaven

Die Lütjens 2012 entmilitarisiert in Wilhelmshaven (Von BundesstefanEigenes Werk, GFDL, Link)

Admiral Günther Lütjens, Namensgeber des Schiffes, ging mit dem Schlachtschiff Bismarck unter

Die „Lütjens“ wurde nach Admiral Günther Lütjens benannt.  Lütjens war ein deutscher Marineoffizier und als Admiral war er zuletzt Flottenchef und Befehlshaber der Schlachtschiffe der deutschen Kriegsmarine im Zweiten Weltkrieg. Er leitete während der Operation „Rheinübung“  einen Flottenverband, unter anderem bestehend aus dem deutschen Schlachtschiff Bismarck und dem Kreuzer Prinz Eugen. Lütjens, der seinen Kommandostand an Bord der Bismarck hatte, wurde getötet, als die Bismarck am 27. Mai 1941 im Nordatlantik unterging.

Buchtipps

Kampfschiffe der NATO 60 Jahre Deutsche Marine im Bild Kriegsschiffe der NATO

Auch interessant

07. Dezember 1835 – Die erste deutsche Eisenbahn nimmt ihren Betrieb auf

By |2018-05-11T16:22:19+02:00Dezember 18th, 2017|Kalenderblatt|1 Comment

One Comment

  1. […] 18. Dezember 2003 – Außerdienststellung des Zerstörer Lütjens […]

Leave A Comment