14. Dezember 1896 – Die Glasgower U-Bahn wird als Kabelbahn eröffnet

Die „Glasgow Underground Railway“ ist die viertälteste U-Bahn der Welt

Die „Glasgow Underground Railway“ wurde am 14. Dezember 1896 als Kabelbahn eröffnet ist damit nach den U-Bahnen in London, Liverpool und Budapest die viertälteste U-Bahn der Welt. Sie besteht aus einer vollständig unter der Erde verlaufenden Ringstrecke und wurde seit ihrer Eröffnung nie erweitert. Die meisten anderen U-Bahnen der Welt, wie zum Beispiel die U-Bahn von Sapporo, verlaufen linear von einem zentralen Umsteige-Bahnhof in die verschiedenen Stadtteile.

Zum Kabelbahnwagen zurückgebauter Triebwagen 39 im Riverside Museum

Zum Kabelbahnwagen zurückgebauter Triebwagen 39 im Riverside Museum (Von Ed WebsterRiverside Museum, Glasgow, Uploaded by Oxyman, CC BY 2.0, Link)

Die U-Bahn wurde ursprünglich als Kabelbahn geplant

Die Glasgower U-Bahn wurde damals als Kabelbahn geplant, das heißt der Betrieb der Wagen erfolgte über zwei kontinuierlich laufende Zugseile, die je von einer 1500 PS starken Dampfmaschine angetrieben wurden. Die Züge bestanden aus zwei Wagen und hatten im vorderen Wagen eine vom Zugführer zu bedienende Klemme, die das Stahlkabel umgriff. Wenn die Wagen in einer Station anhalten sollten, so musste er die Klemme öffnen, so dass der Zug nicht mehr mit dem Zugseil verbunden war und zum Stehen kam. Bei Weiterfahrt des Zuges wurde die Klemme vom Zugführer wieder geschlossen, so dass sich der Zug wieder in Bewegung setzte.  Kabelbahnen waren zu dieser Zeit nichts ungewöhnliches, sie entstanden vor den elektrischen Straßenbahnen, zur Ablösung der Pferdebahnen, und wurden durch Dampfmaschinen angetrieben. Kabelstraßenbahnen gab es zum Beispiel in London, Lissabon, Paris, Edinburgh und auch in Glasgow. Als U-Bahn war die Kabelbahn in Glasgow aber weltweit einmalig.

Fahrgastraum eines Kabelbahnwagens

Fahrgastraum eines Kabelbahnwagens (Von Ed WebsterRiverside Museum, Glasgow, Uploaded by Oxyman, CC BY 2.0, Link)

Der Glaube an einen elektrischen Zugbetrieb war zu die Zeit noch nicht gegeben

Die Subway Company wählte dieses kostenintensive Antriebsverfahren, da bereits in Edinburgh und Glasgow Kabelstraßenbahnen im Einsatz standen. Zudem war der Glaube an einen elektrischen Zugbetrieb im Tunnel noch nicht gegeben, da die „City and South London Railway“ als erste elektrisch betriebene U-Bahn zum Planungszeitpunkt noch nicht eröffnet war. Andererseits führte der Kabelantrieb dazu, dass größere Steigungsstrecken von bis zu 6,25 % Neigung unterhalb von Flussquerungen realisiert werden konnten, was die Baukosten reduzierte.

Viel technischer Aufwand war nötig

Die 38 Millimeter dicken Stahlkabel waren jeweils 11 Kilometer lang, liefen über 1700 Führungsrollen und wogen 57 Tonnen. Die zwei Zugseile wurden von je einer Dampfmaschine angetrieben, die Kabel wurden in einen 58 Meter langen Spannraum geführt, in dem die Spannung der Zugseile trotz Wärme- und Seildehnung mit Spannscheiben konstant gehalten werden konnte.  Das System als Kabelbahn war trotz seiner zufriedenstellenden Betriebsweise unwirtschaftlich.  Der Austausch der abgenutzten Antriebsseile bedeutete eine enorme finanzielle Belastung für die Subway Company.

Ehemaliges Kabelbahn Stationsgebäude der Station St. Enoch

Ehemaliges Kabelbahn Stationsgebäude der Station St. Enoch (Von Ed WebsterFormer Glasgow Subway St. Enoch station building, Uploaded by Oxyman, CC BY 2.0, Link)

Der unwirtschaftliche Betrieb der Kabelbahn führte zum Ruin der Betreibergesellschaft

Viele Bewohner Glasgows benutzen lieber die Straßenbahn, die ursprünglich auch als Kabelbahn betrieben wurde, seit 1901 aber elektrifiziert war, da sie die schlechte Beleuchtung der U-Bahnhaltestellen abschreckte. Gleichzeitig erforderte der U-Bahn-Betrieb mehr Personal als der Betreib der elektrifizierten Straßenbahn. Es kam wie es kommen musste,  die niedrigen Einnahmen bei gleichzeitigen hohen Kosten führten zum wirtschaftlichen Ruin der Betreibergesellschaft. Das U-Bahnnetz, oder besser gesagt, der U-Bahn-Ring gingen im Jahr 1922 durch einen günstigen Ankauf in das Eigentum der stadteigenen „Glasgow City Corporation über. Diese begann daraufhin mit der Elektrifizierung der technisch veralteten Bahn, die 1935 abgeschlossen wurde. Nach dreizehn Jahren Pause  konnte  der Betrieb der Subway wieder aufgenommen werden, diesmal jedoch als elektrische Untergrundbahn. Die Fahrzeit auf dem Gesamtring konnte von 39 auf 28 Minuten verkürzt werden.

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Quelle: wikipedia.org