10. September 1991 – Der Trockenkühlturm des stillgelegten Hochtemperaturreaktors THTR-300 in Hamm-Uentrop wird gesprengt

Der THTR-300 kostete 2,05 Mrd. € bis zu seiner Abschaltung

Der THTR-300 war ein Thorium-Hochtemperatur-Kernreaktor mit einer elektrischen Leistung von 300 MW (THTR-300) in Hamm-Uentrop, Deutschland. Es wurde 1983 in Betrieb genommen, 1985 mit dem Netz verbunden, im Februar 1987 mit voller Leistung betrieben und am 01. September 1989 abgeschaltet. Der THTR-300 war ein Hochtemperaturreaktors (HTR) des Typs Kugelhaufenreaktor zur Verwendung der TRISO-Kugelbrennelemente, die vom Kernkraftwerk AVR Jülich hergestellt wurde. Der THTR-300 kostete 2,05 Mrd. € bis zu seiner Abschaltung und bis Dezember 2009 kamen weitere 425 Mio. € für die Stilllegung und den sicheren Einschluss und andere damit verbundene Kosten hinzu. Das Land Nordrhein-Westfalen, die Bundesrepublik Deutschland und die Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG) finanzierten den Bau des THTR-300 Kernkraftwerk.

Das Kraftwerk begann 1985 mit der Stromerzeugung

Der Reaktorteil des THTR-300 wurde aufgrund immer neuer Anforderungen und Genehmigungsverfahren verspätet fertiggestellt. Das Kernkraftwerk wurde von 1970 bis 1983 von der Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG) in Hamm-Uentrop errichtet und es wurde am 13. September 1983 fertiggestellt. Heinz Riesenhuber, damaliger Bundesforschungsminister, besuchte am 27. September 1983 den Thorium-Hochtemperatur­-Reaktor. Das Kraftwerk begann am 09. April 1985 mit der Stromerzeugung, erhielt aber erst am 16. November 1985 die Genehmigung der atomrechtlichen Genehmigungsbehörde zur Einspeisung von Strom in das Netz. Im Februar 1987 lief das Atomkraftwerk mit voller Leistung, es wurde aber aufgrund seiner Störanfälligkeit bereits am 01. September 1989 wieder vom Netz genommen. Wegen seiner hohen Kosten, seiner ungewöhnlich langen Bauzeit, seiner Störanfälligkeit und seines unbefriedigenden, kurzen Betriebs gilt das Kraftwerk als eines der größten technischen Debakel im Nachkriegsdeutschland.

Kraftwerk Westfalen mit THTR unten rechts

Kraftwerk Westfalen mit THTR unten rechts (Von Tim Reckmann – Hamm Wiki, CC BY-SA 3.0, Link)

Der Reaktor geriet immer wieder in technische Schwierigkeiten

Am 04. Mai 1986, nur 6 Monate nach dem Anschluss an das Stromnetz, setzte sich eine Brennelementekugel in einer Brennelementezuleitung zum Reaktorkern fest. Infolgedessen wurde radioaktiver Staub in die Umwelt freigesetzt. Dies geschah nur wenige Tage nach der Tschernobyl-Katastrophe. Die Betreiber haben den Vorfall heruntergespielt, da radioaktive Niederschläge vom Tschernobyl-Unfall über Hamm niedergegangen waren, so das die Emissionen aus dem THTR zunächst nicht auffielen. Ein anonymer Informant aus der Belegschaft des THTR-300 informierte allerdings die Aufsichtsbehörden und Umweltverbände über die verheimlichte radioaktive Emission am 04. Mai 1986, was zu einem Vertrauensverlust der Regulierungsbehörden geführt hatte. Das westfälische Wirtschaftsministerium hat daraufhin eine Untersuchungskommission ins Leben gerufen. Das Kraftwerk wurde vom Netz genommen, ging aber bereits einige Wochen später wieder ans Netz nachdem die Ursache aufgeklärt wurde. Die ehemaligen Unterstützer zogen allerdings ihre Unterstützung zurück. Der Reaktor geriet immer wieder in technische Schwierigkeiten, wobei die Brennelemente häufiger als erwartet zerbrachen. Die Brennelementefabrik in Hanau wurde aus Sicherheitsgründen stillgelegt, die Brennelementeversorgung war schon vor dieser Entscheidung schwierig gewesen, aber jetzt war sie wirklich gefährdet. Daraufhin wurde beschlossen, das Kernkraftwerk THTR-300 abzuschalten. Von 1985 bis 1989 hatte das THTR-300 16410 Betriebsstunden und erzeugte 2891000 MWh, das entsprach einer Volllastarbeitszeit von 423 Tagen.

Trockenkühlturm des THTR-300 in Hamm-Uentrop kurz vor der Fertigstellung des Kraftwerks. Der Turm wurde 1991 abgerissen. Im Hintergrund die Kühltürme des benachbarten Kohleblocks.

Trockenkühlturm des THTR-300 in Hamm-Uentrop kurz vor der Fertigstellung des Kraftwerks. Der Turm wurde 1991 abgerissen. Im Hintergrund die Kühltürme des benachbarten Kohleblocks. (Von SmialEigenes Werk, CC BY-SA 2.0, Link)

Am 10. September 1991 wurde der 180 Meter hohe Trockenkühlturm gesprengt

Am 10. September 1991 wurde der 180 Meter hohe Trockenkühlturm, der damals der höchste Kühlturm der Welt war, durch eine Sprengung abgerissen und vom 22. Oktober 1993 bis April 1995 die Brennelemente des Reaktors entladen und zum Zwischenlager nach Ahaus transportiert. Die verbleibende Anlage wurde „sicher umschlossen“. Mit dem Abriss der restlichen Anlagen wird nicht vor 2027 gerechnet.

Mehr Informationen über den THTR-300

Internetauftritt der Betreibergesellschaft

Auch interessant

Was ist eine Diesellok?

 

Quelle: wikipedia.org