07. November 1904 – Gründung der Behringwerke in Marburg

Die Gewinnung des Diphterieserums aus Pferdeblut im Behringwerk zu Marburg (Illustration um 1905 von Fritz Gehrke)

Die Behringwerke oHG wird ins Handelsregister eingetragen

Am 07. November 1904 ließ Emil von Behring die Behringwerke oHG ins Handelsregister des Amtsgerichts Marburg unter der Nummer 217 eintragen. Als Partner und Teilhaber stand ihm dabei der Marburger Apotheker Carl Siebert zur Seite. Als Startkapital verwendete von Behring einen großen Teil seines Preisgeldes von 169.513 Reichsmark (das entspräche heute etwa einer Millionen Euro), die er am 10. Dezember 1901 als erster Nobelpreisträger für Medizin erhalten hatte. Emil von Behring erhielt für seine Arbeit betreffend der Serumtherapie und besonders deren Anwendung gegen Diphtherie den Nobelpreis. Ziel des neu gegründeten Unternehmens war die Herstellung dieses Diphtherieheilserum.

Seit 1894 wurde bereits Diphtherieheilserum produziert

Bereits seit August 1894  lief die Produktion des Serums bei den Farbwerken Hoechst, vormals Meister Lucius & Brüning, mit denen Behring einen Vertrag hatte. Die Farbwerke boten ein Diphtherieheilserum nach Behring und Ehrlich an. Im Jahr 1890 hatte Emil von Behring in Zusammenarbeit mit dem japanischen Bakteriologen Shibasaburo Kitasato die Wirkung von Antitoxinen gegen Tetanus und Diphtherie (Diphtherie-Antitoxin) bewiesen. Beide arbeiteten in Robert Kochs Labor in Berlin. Emil von Behring arbeitete auch eng mit Paul Ehrlich, ebenfalls ein Mitarbeiter Robert Kochs, und mit seinem Freund Erich Wernicke zusammen, der ihn bei der Serumgewinnung und Standardisierung unterstützte. 1894 konnte in den Farbwerken Hoechst mit der Produktion und dem Vertrieb von Heilserum begonnen werden und Behring wurde als wissenschaftlicher Berater verpflichtet.

Behring verlängerte den Vertrag mit den Farbwerken Hoechst nicht

1895 übernahm er die Direktion des Marburger Hygienischen Instituts und ein Jahr später richtete er sich am Schlossberg ein für die damalige Zeit sehr modernes Privatlaboratorium ein. Dort erforschte er hauptsächlich die Tuberkulose, während er seine Versuche zur Optimierung des Diphtherie- und Tetanusheilserums im Hygienischen Institut der Marburger Universität weiter verfolgte. Ein Grund für die Gründung eines eigenen Unternehmens waren unter anderem Unstimmigkeiten zwischen Emil von Behring und dem Höchster Produktionsleiter Arnold Libbertz im Sommer 1902. Als der bestehende Vertrag 1904 auslief, verlängerte ihn Behring nicht mehr. Der bis dahin als Vermittler dienende August Laubenheimer war bereits 1903 aus dem Vorstand der Farbwerke ausgeschieden. Das der Vertrag nicht mehr verlängert wurde, kann aber auch daran gelegen haben, das Behring aufgrund seiner Tuberkuloseseren-Forschung eine Antituberkulosemittel auf den Markt bringen wollte. Mit den Farbwerken war das aber nicht mehr so einfach möglich, da diese bereits mit Robert Koch auf diesem Gebiet zusammen arbeiteten.

Behring ging eine geschäftliche Beziehung mit Dr. Carl Siebert ein

Da auch Verhandlungen mit der Firma Friedrich Bayer ergebnislos blieben, ging Behring eine geschäftliche Beziehung mit dem Marburger Unternehmen Dr. Siebert und  Dr. Ziegenbein oHG ein. Diese Firma vertrieb bereits seit dem 15. August 1903 Tetanusheilserum und Bovovaccin, ein Tuberkuloseimpfstoff für Rinder. Der 09. Juli 1904 gilt zwar als Gründungsdatum des Behring-Werkes Marburg (Lahn), aber erst am 07. November 1904 erfolgte die Eintragung der Gesellschaft unter dem Namen Offene Handelsgesellschaft Behring-Werk, Inhaber von Behring und Siebert in das Handelsregister des Amtsgerichts Marburg. Angefangen hatten die Behringwerke mit zehn bis zwölf Mitarbeitern, darunter befanden sich unter anderem ein Privatassistent Behrings, ein planmäßiger Assistent des Hygieneinstitutes, ein Kaufmann, zwei Institutsdiener und ein paar Arbeiter. Auf dem Behringschen Gutshof in Marbach befand sich eine Rinderherde, die zur Erforschung der Tuberkulose diente. Anlässlich der Firmengründung schrieb er folgende Worte: „Die umfangreichen und recht kostspieligen Baulichkeiten, Ländereien, Viehbestände, Laboratoriumseinrichtungen, wozu noch auf besondere Ziele gerichtete Abteilungen mit zahlreichem Dienerpersonal kommen, sind vereint zu einem Gesamtunternehmen, das den Namen Behringwerk bekommen hat.“ Carl Siebert war ab 1909 alleiniger Geschäftsführer der Behringwerk oHG, während Behring als „stiller Gesellschafter“ eingetragen wurde. 1911 kaufte Emil von Behring Ländereien nördlich von Marburg und ließ eine Scheune mit Stallungen für die Serumtiere errichten. Im Jahr 1913 konnte Behring eine alte Ziegelei im benachbarten Marbacher Hinkelbachtal kaufen und zum neuen Standort des Unternehmens machen.

1914 erfolgte die Umwandlung in eine  GmbH

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges musste die Produktion enorm ausgeweitet werden, da Behrings Tetanusheilserum für die verwundeten und in verdreckten Schützengräben liegenden Soldaten zur Rettung vor dem tödlichen Wundstarrkrampf wurde. Die Erweiterung der Produktion erforderte mehr Kapital und Behring nahm auf Drängen seines Geschäftspartners Sieberts Kontakt zu Kapitalgebern in Bremen auf. Die Gründung der Behringwerke Bremen und Marburg  G.m.b.H mit den Geschäftsführern Dr. William Söder aus Bremen und Dr. Carl Siebert  aus Marburg erfolgte am 19. April 1914 und die Eintragung in das Handelsregister am 03. Juni 1914. Die Produktion blieb weiterhin in Marburg und nur der Gesellschaftssitz wurde nach Bremen verlegt. Hergestellt wurden ab jetzt Bovovaccin, Hepin, Tetanusheilserum, Tetanustoxin, Tuberkulin und Tuberkulinpräparate, haemolytisches Trockenserum und Diphtherieheilserum. Im Laufe des Ersten Weltkrieges wurde die Produktion kriegsbedingt umgestellt und es wurden Seren gegen Tetanus, Dysenterie und Gasbrand sowie Impfstoffe gegen Cholera und Typhus hergestellt. 1917 hatten die Behringwerke knapp 200 Mitarbeiter.

1917 starb Emil von Behring

Am 31. März 1917 starb Emil von Behring an den Folgen einer Lungenentzündung in seinem Marburger Haus. Carl Siebert arbeite bis 1921 als Geschäftsführer der Behringwerke, sein Geschäftspartner Dr. William Söder aus Bremen war bereits 1916 wegen Unstimmigkeiten aus der Geschäftsführung ausgestiegen. Zur Aktiengesellschaft wurde die Behringwerke im Juni 1920 umgewandelt, der Sitz der Gesellschaft wurde dabei von Bremen wieder nach Marburg zurück verlegt. Fast ein Jahrzehnt später im August 1929 war es mit dem wirtschaftlichen Boom vorbei und die Behringwerke AG befand sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Daher wurde zu diesem Zeitpunkt ein Betriebsübernahmevertrag mit der I. G. Farbenindustrie AG geschlossen, die Behringwerke konnten aber als eigenständige Beteiligungsgesellschaft erhalten bleiben.

1952 wurden die Behringwerke Bestandteil der Hoechst AG

Nach dem zweiten Weltkrieg und der Abwicklung der I.G. Farben aufgrund ihrer Rolle im „Dritten Reich“ wurden die Behringwerke im Jahr 1952 ein Bestandteil der Hoechst AG. Ab 1997 wurden die Behringwerke in verschiedene Einzelfirmen aufgeteilt, die teilweise verkauft wurden. Heute sind die Behringwerke ein bedeutender Biotechnologieverbund, an dem viele namhafte Unternehmen wie zum Beispiel CSL Limited, Siemens oder Novartis vertreten sind. Im April 2018 arbeiteten ungefähr 5.500 Personen, verteilt auf 16 Unternehmen, an den Standorten Marburg, Marbach und Görzhausen.

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Die Geschichte der Diphtherie Blutserumtherapie und … Das Tetanusheilserum und …

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Quellen: wikipedia.org

             uni-marburg.de 

             behringwerke.de