Was ist Technikethik?

Technikethik ist ein Teil der allgemeinen Ethik

Technikethik , auch Technik-Ethik oder Ethik in der Technik,  ist ein Teil der allgemeinen  Ethik und daher der Philosophie zuzuordnen. Praktische Anwendung findet die Technikethik zum Beispiel im Arbeitsleben eines Technikers, wo sie das Tun von Technikern und deren moralischen Umgang mit Technik regelt. Die Vorteile neuer Technik muss gegen die Nachteile, der Nutzen gegen den Schaden,  die Chancen gegen die Gefahren und der Eigennutz gegen den Gemeinnutz gestellt werden. Es kann dabei genauso um die Technik von Elektrogeräten, Kraftwerken oder Bauwerken gehen, wie auch um die kleinste Technik, die sogenannte Nanotechnologie.

Technikethik

In der Technikethik müssen wichtige Fragen beantwortet werden

Fragen wie „Ist die Technik sicher?“ oder „Ist es richtig, was man mit dieser Technik tut?“ müssen zum Beispiel beantwortet werden. Besonders technischen Anwendungen, wie die Militär-Technik und die sogenannten Dual-Use-Technik, die einerseits zivilen Nutzen entfalten kann (Atomenergie), andererseits die Gefahr birgt  als Waffe  eingesetzt zu werden (Atombombe), müssen besonders hinterfragt werden. Auch der Umgang mit den Ressourcen der Natur ist ein wichtiger Punkt, der Technikethik. Schadet oder nutzt die Technik der Natur, oder ist ihr Nutzen größer als ihr Schaden. Ein immer wieder gerne genommenes Beispiel der Technikethik ist der sogenannte Drei-Schluchten-Damm in China.

Lage der Drei-Schluchten-Talsperre und der wichtigsten Städte entlang des Jangtse-Flusses

Lage der Drei-Schluchten-Talsperre und der wichtigsten Städte entlang des Jangtse-Flusses (Von Rolfmueller (commons) – Rolfmueller (wp-en) – von en wp, CC BY-SA 3.0, Link)

Der Drei-Schluchten-Damm ist eine Drei-Schluchten-Talsperre

Der häufig verwendete Name Drei-Schluchten-Damm kommt von der englischen Übersetzung „Three Gorges Dam“. Da das Wasser des Jangtsekiang allerdings  mit einer Gewichtsstaumauer aus Beton, einer Staumauer, gestaut wird, handelt es sich hier um eine Talsperre. Dieser Fehler ist dem Umstand geschuldet, dass es in der englischen Sprache keine vergleichbare Unterscheidung wie im Deutschen gibt. Das Wort „dam“ kann eine Staumauer als auch einen Staudamm oder auch eine ganze Talsperre bezeichnen. Doch zurück zur Technikethik. Die Drei-Schluchten-Talsperre liegt in der Provinz Hubei in China und staut den Jangtsekiang. Der Jangtsekiang, kurz Jangtse, ist der längste Fluss Chinas und Asiens.  Mit 6380 Kilometern ist er nach dem Nil und dem Amazonas der drittlängste Strom der Welt.

Der Bau der Talsperre sollte unter anderem dem Hochwasserschutz dienen

Eine wichtige Funktion der Talsperre ist der Hochwasserschutz. Millionen von Menschen leben unterhalb des Staudamms, viele große Städte wie Wuhan, Nanjing und Shanghai, viele landwirtschaftliche Nutzflächen und Chinas wichtigstes Industriegebiet liegen direkt am Fluss. Das Hochwasser des Jangtsekiang  hatte beispielsweise im Jahr 1954 über 30.000 Menschenleben gekostet und bei der Jahrhundertflut 1996 entstand ein Sachschaden von umgerechnet  20 Milliarden Euro. Im 20. Jahrhundert kamen insgesamt drei Millionen Menschen in den Fluten des Jangtsekiang ums Leben. Jetzt kommt die Technikethik ins Spiel. Der Bau der Drei-Schluchten-Talsperre  als Hochwasserschutz kann zwar Überschwemmungen verhindern, die Ursachen für das Hochwasser werden damit aber nicht beseitigt.  Wäre es aus ethischen Gesichtspunkten nicht sinnvoller, die Ursachen des Hochwassers zu beseitigen, als mit einer riesigen Talsperre weite Landflächen zu überfluten um damit Hochwasser zu verhindern.  Hauptursache für die Überschwemmungen im letzten Jahrhundert war die Abholzung der Wälder entlang des Jangtsekiang. Diese Wälder haben bei Regen den Niederschlagsabfluss vermindert, der heute ohne Rückhaltung in den Strom fließen kann. Anmerken muss man allerdings, das es auch vor Abholzung dieser Wälder am Jangtsekiang schon zu verheerenden Überschwemmungen kam. Die Versorgung der stetig wachsenden Bevölkerung Chinas erforderte zudem die Gewinnung von neuem Ackerland. Zahlreiche Seen in der Nähe des Jangtsekiang wurden daher trocken gelegt. Rückhalteräume für die Zuflüsse zum Jangtsekiang gingen dadurch verloren. In der Region Hubei zum Beispiel, die im Jahr 1949 noch ungefähr 1066 Seen aufwies, gibt es heute nur noch 325 Seen. Auch durch den Bau der riesigen Talsperre besteht trotzdem weiter eine Hochwassergefahr durch die Nebenflüsse des Jangtsekiang wie den Huai He, auf die die Talsperre keinerlei Einfluss hat.

Satellitenbild des Stausees, die Drei-Schluchten-Talsperre ist etwa 1/3 von der linken Kante entfernt; die Bildmitte gehört zur Gezhouba-Talsperre, etwa 1/3 von der rechten Kante - Aufnahme Juli 2000 -

Satellitenbild des Stausees, die Drei-Schluchten-Talsperre ist etwa 1/3 von der linken Kante entfernt; die Bildmitte gehört zur Gezhouba-Talsperre, etwa 1/3 von der rechten Kante – Aufnahme Juli 2000 – (Von National Aeronautic & Space Administrationhttp://photojournal.jpl.nasa.gov/catalog/PIA03852, Gemeinfrei, Link)

Die Drei-Schluchten-Talsperre ist das größte Wasserkraftwerk der Welt

Die Drei-Schluchten-Talsperre dient natürlich nicht nur der Wasserregulierung und dem Hochwasserschutz. Sie soll auch Strom für Chinas wachsende Bevölkerung und Industrie produzieren, und die Schifffahrtskapazität des Jangtse erhöhen. Gemessen an der Erzeugerleistung der installierten Wasserturbinen ist der Drei-Schluchten-Staudamm  das größte Wasserkraftwerk der Welt. Jede der 32 Hauptwasserturbinen hat eine Leistung von 700 MW. Die 32 Hauptturbinen des Staudamms werden mit zwei kleineren Generatoren (je 50 MW) gekoppelt, um die Anlage selbst zu betreiben. Die gesamte elektrische Leistung des Staudamms beträgt 22.500 MW. Im Jahr 2014 erzielte der Damm 98,8 Terawattstunden (TWh) und damit einen neuen Weltrekord. Dieser wurde aber vom Itaipú-Damm an der Grenze zwischen Paraguay und Brasilien im Jahr 2016 übertroffen, der mit 103,1 TWh den neuen Weltrekord aufstellte.

Blick auf die Hauptmauer der Drei-Schluchten-Talsperre während der Bauphase, April 2006

Blick auf die Hauptmauer der Drei-Schluchten-Talsperre während der Bauphase, April 2006 (Von Christoph Filnkößl – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link)

Etwa 1,3 Millionen Menschen wurden umgesiedelt

China betrachtet das Projekt als einen wichtigen Schritt zur umweltfreundlichen Energieerzeugung und zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen. Wasserkraft wird weltweit als regenerative und umweltfreundliche Energie angesehen,  jedoch ist eine Talsperre oder ein Staudamm auch immer ein schwerwiegender Eingriff in das vorhandene Ökosystem. Eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten verliert durch die Überflutung ihren natürlichen Lebensraum. Beim Großprojekt Drei-Schluchten-Talsperre  sind aber nicht nur Landschaften untergegangen, sondern auch Städte, Dörfer und Fabriken. Darunter zum Beispiel die Stadt Wanxian mit 140.000 oder Fuling  mit 80.000 Einwohnern.  Insgesamt mussten 1,3 Millionen Menschen umgesiedelt werden, ein Großteil davon waren Bauern, welche ihre Felder auf dem ertragreichen Schwemmland am Ufer des Jangtse hatten. Die Bauern zogen in höherliegende Gebiete, doch die Hochlagen sind für die Landwirtschaft nicht gut geeignet, so das laut Experten-Schätzung der landwirtschaftliche Ertrag nur bei einem Fünftel des Ertrages des früheren Schwemmlandes liegt.

Die Technikethik hätte sich gegen den Bau ausgesprochen

Im Rahmen der Fragestellungen der Technikethik, hätte man bei einem derartigen Großprojekt wie der Drei-Schluchten-Talsperre,  zu dem Entschluss kommen müssen, die Talsperre nicht zu bauen. Viele Länder verzichten heute bereits auf die Errichtung solch riesiger Talsperren, da die ökologischen Auswirkungen einfach zu groß sind. Auch in China wird die Behebung der langfristigen ökologischen Schäden wahrscheinlich mehr kosten, als die Talsperre dem gegenüber als Nutzen einbringen kann. Um die Schäden und langfristigen Auswirkungen für die Umwelt zu reduzieren, hätte man auch durch die Hintereinanderschaltung mehrere kleiner Talsperren Energie gewinnen können. Zusätzlich hätte man auch mit Wind- und Solaranlagen Strom erzeugen können. Diese  Anlagen stellen zwar auch einen nicht zu unterschätzenden Eingriff in die Natur da, allerdings ist er nicht so groß, wie durch den Bau dieser riesigen Talsperre.

Buchtipps

Handbuch Technikethik Technikethik und Wirtschaftsethik Homo Creator

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Quelle: Wikipedia