Was ist eine Dampflok?

Eine Dampflok ist eine Lokomotive die durch Dampf angetrieben wird

Eine Dampflok oder genauer gesagt eine Dampflokomotive ist eine Eisenbahnlokomotive, die ihre Antriebskraft mit einer Dampfmaschine erzeugt. Die Dampfmaschine erzeugt Wasserdampf in einem Kessel durch die Verbrennung von brennbarem Material, meist Kohle, Holz oder Öl. Hubkolben, die mechanisch mit den Antriebsrädern der Lokomotive verbunden sind, werden durch den Wasserdampf angetrieben. Benötigter Brennstoff und Wasser für die Lokomotive, werden meist in nachgezogenen Waggons (Tendern) mitgeführt.

Dampfloks waren direkte Nachfolger von Pferden als Zugtiere

Dampflokomotiven wurden im frühen 19. Jahrhundert in Großbritannien entwickelt und in Europa bis in die 1970er Jahre für den Eisenbahnverkehr eingesetzt. Die frühesten Eisenbahnen setzten noch Pferde ein, um Wagen entlang der Gleise zu ziehen, die sogenannten Pferdebahnen. 1784 baute William Murdoch, ein schottischer Erfinder, in Birmingham einen kleinen Prototyp einer Dampflok. Um 1787 entwickelte William Reynolds eine Dampflokomotive in Originalgröße. Ein frühes Arbeitsmodell einer Dampflokomotive wurde 1794 vom Dampfschiff-Pionier John Fitch in den USA entworfen und gebaut. Das Modell befindet sich heute im Ohio Historical Society Museum in Columbus. Die Echtheit und das Datum dieser Lokomotive werden aber von einigen Experten bestritten. Mit Erfindung der Hochdruck-Dampflokomotive durch Richard Trevithick, und der gesteigerten Leistung der Lokomotiven, konnten ab jetzt auch mehrere Wagen gezogen werden. Mit den Niederdruck-Dampflokomotiven war dies noch nicht möglich. Die von Richard Trevithick entwickelte erste Dampflokomotive der Welt, wurde drei Jahre nach seiner Straßenlokomotive, die er 1801 gebaut hatte, am 21. Februar 1804  in Betrieb genommen.

Stephenson's Lokomotive „Rocket“ im Science Museum, London

Stephenson’s Lokomotive „Rocket“ im Science Museum, London (Von William M. Connolley (Diskussion · Beiträge) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link)

1825 wurden die ersten Passagiere mit einer öffentlichen Eisenbahnlinie befördert

Die erste kommerziell erfolgreiche Dampflok wurde zwischen 1812 und 1813 von John Blenkinsop entwickelt. Die Dampflokomotive Nr. 1, die von George Stephenson und Sohn Robert in dessen Firma Robert Stephenson and Company gebaut wurde, ist die erste Dampflokomotive, die im Jahr 1825 Passagiere auf einer öffentlichen Eisenbahnlinie, der Stockton and Darlington Railway, beförderte. George Stephenson baute auch die erste öffentliche Intercity-Eisenbahnlinie der Welt die mit Lokomotiven betrieben wurde. Die Liverpool and Manchester Railway wurde 1830 eröffnet. Robert Stephenson Lokomotivenwerk galt damals als der Hersteller von Dampflokomotiven für Eisenbahnen in Großbritannien, den Vereinigten Staaten und weiten Teilen Europas.

Die erste auf dem europäischen Festland gebaute Lokomotive fuhr 1816 in Berlin

In Deutschland war die erste funktionierende Dampflokomotive eine Zahnstangenlokomotive, ähnlich der Salamanca, entworfen vom britischen Lokomotivenpionier John Blenkinsop. Im Juni 1816 von Johann Friedrich Krigar in der Königlichen Eisengießerei zu Berlin erbaut, fuhr die Lokomotive auf einem Rundweg im Werkshof. Sie war die erste auf dem europäischen Festland gebaute Lokomotive und der Zug der erste dampfbetriebene Personenverkehr. Neugierige Zuschauer konnten gegen ein Entgelt in den angebauten Wagen mitfahren. Eine weitere Lokomotive wurde 1817 nach dem gleichen System gebaut, sie sollte bei den Grubenbahnen in Königshütte und in Luisenthal an der Saar (heute Teil von Völklingen) eingesetzt werden. Die Lokomotive konnte aber nach der Demontage, dem Umzug und dem Wiederzusammenbau nicht wieder in Betrieb genommen werden. Am 07. Dezember 1835 fuhr der Adler bei der Bayerischen Ludwigsbahn erstmals zwischen Nürnberg und Fürth. Damit war die erste deutsche Eisenbahnstrecke mit regelmäßiger Nutzung der Dampfkraft für den Personenverkehr eröffnet. Der Adler war die 118. Lokomotive aus dem Lokomotivenwerk von Robert Stephenson und er stand unter Patentschutz. Die Lokomotive durfte als nicht einfach nachgebaut werden.

Modell der Dampflokomotive Austria, zusammen mit Moravia erste Lokomotive der Kaiser Ferdinands-Nordbahn, der ersten Dampfbahnstrecke Österreichs

Modell der Dampflokomotive Austria, zusammen mit Moravia erste Lokomotive der Kaiser Ferdinands-Nordbahn, der ersten Dampfbahnstrecke Österreichs

1838 wurde die Saxonia von Johann Andreas Schubert gebaut

1837 startete in Österreich die erste Dampfbahn auf der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn zwischen Wien-Floridsdorf und Deutsch-Wagram. Die älteste noch arbeitende Dampflok der Welt läuft übrigens auch in Österreich: Die 1860 gebaute GKB 671 wurde nie außer Betrieb genommen und wird immer noch für besondere Ausflüge genutzt. 1838 wurde die dritte in Deutschland gebaute Dampflokomotive, die Saxonia, von der Maschinenbaufirma Übigau bei Dresden gebaut. Entworfen wurde die Saxonia von Johann Andreas Schubert. Schubert hatte sich dabei die englische Lokomotive COMET als Vorbild. Er hatte die Lokomotive gesehen, analysiert und verbessert. Zwei gekuppelte Achsen sorgten für den Antrieb und somit für hohe Zugkraft, eine Laufachse für den ruhigen Lauf fügte er hinzu. Die erste komplett eigenständig konstruierte Lokomotive in Deutschland war die 1841 von August Borsig gebaute Beuth und die erste Lokomotive der Henschel-Werke in Kassel, der Drache, wurde 1848 ausgeliefert.

Die LNER Baureihe A4 4468 Mallard fuhr am 03. Juli 1938 mit 203 km/h (126 mph)einen Geschwindigkeitsrekord für Dampfloks, der bis heute ungebrochen ist

Die LNER Baureihe A4 4468 Mallard fuhr am 03. Juli 1938 mit 203 km/h (126 mph) einen Geschwindigkeitsrekord für Dampfloks, der bis heute ungebrochen ist (Von PTG DudvaOwn work, CC BY-SA 3.0, Link)

Die LNER Klasse A4 4468 Mallard ist die schnellste Dampflok der Welt

Im 20. Jahrhundert entwarf Nigel Gresley, Chefingenieur der London and North Eastern Railway (LNER), einige der berühmtesten Lokomotiven. Darunter die Flying Scotsman, die erste Dampflok, die offiziell über 100 mph (161 km/h) im Personenverkehr fuhr, und eine LNER Klasse A4 4468 Mallard, die  mit 126 mph (203 km/h) immer noch den Rekord für die schnellste Dampflokomotive der Welt hält.

Frau Viola Sievers, eine der Wäscherinnen im Ringlokschuppen in Clinton (Iowa), reinigt im April 1943 eine gigantische Lokomotive der Klasse "H" mit Heißdampf (Foto: Jack Delano)

Frau Viola Sievers, eine der Wäscherinnen im Ringlokschuppen in Clinton (Iowa), reinigt im April 1943 eine gigantische Lokomotive der Klasse „H“ mit Heißdampf (Foto: Jack Delano)

Mitte des 20. Jahrhunderts begann das Ende der Dampflok-Ära

Die Einführung von Elektrolokomotiven um die Jahrhundertwende und später von Diesellokomotiven bedeutete den Beginn des Rückgangs des Dampflokomotiven-Einsatzes, obwohl es noch ziemlich lange dauerte, bis sie aus dem allgemeinen Zugbetrieb genommen wurden. Der vollständige Übergang von der Dampfkraft in Nordamerika erfolgte in den 1950er Jahren. In Kontinentaleuropa wurde die Dampfkraft in den 70er Jahren durch die großflächige Elektrifizierung endgültig abgelöst. Bis heute jedoch fahren Dampfloks weiterhin auf touristischen und historischen Strecken.

Bekohlung einer Dampflok im Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen (Foto: Reinhard Dietrich)

Bekohlung einer Dampflok im Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen (Foto: Reinhard Dietrich)

Dampfloks haben einen schlechteren Wirkungsgrad als Dieselloks

Dampfmaschinen haben einen wesentlich geringeren thermischen Wirkungsgrad als moderne Dieselmotoren, was sie im Betrieb teurer und unwirtschaftlicher macht. Dampflokomotiven benötigen auch mehr Wartung und Arbeit um sie betriebsbereit zu halten. Bei kohlebefeuerten Lokomotiven war zum Beispiel zwischen den Dienstgängen eine Brandreinigung und Entaschung erforderlich. Wasser wird an vielen Stellen des Schienennetzes benötigt, was zu großen Problemen in Wüstengebieten führt, wie sie zum Beispiel in einigen Regionen der Vereinigten Staaten, Australiens und Südafrikas vorkommen. Wo Wasser vorhanden ist, kann es zu hart sein, was zur Bildung von „Kesselstein“ führen kann, der hauptsächlich aus Calciumcarbonat, Magnesiumhydroxid und Calciumsulfat besteht. Calcium- und Magnesiumcarbonate neigen dazu, sich als cremefarbene Feststoffe auf der Innenseite von Rohren und Wärmetauschern abzuscheiden. Dieser Niederschlag wird hauptsächlich durch die thermische Zersetzung von Bicarbonaten verursacht, tritt aber auch dann auf, wenn sich das Carbonat in Sättigungskonzentration befindet. Die daraus resultierende Ablagerung von Kesselstein schränkt den Wasserdurchfluss in den Leitungen ein. In Dampfkesseln beeinträchtigen die Ablagerungen den Wärmefluss ins Wasser, was den Wirkungsgrad verringert und zu einer Überhitzung der metallischen Kesselkomponenten führen kann.

Dampflokomotive im Bahnhof der Durango & Silverton Schmalspurbahn in Durango, Colorado (Foto: Carol M. Highsmith)

Dampflokomotive im Bahnhof der Durango & Silverton Schmalspurbahn in Durango, Colorado (Foto: Carol M. Highsmith)

Elektrolokomotiven sind manchmal nicht umweltfreundlicher als Dampflokomotiven

Auch der Umweltaspekt spielt bei Dampflokomotiven keine unbedeutende Rolle. Der Rauch wurde von vielen als störend empfunden, die ersten Elektrolokomotiven und Diesellokomotiven wurden als Reaktion darauf entwickelt. Die hohe, weniger sichtbare Verschmutzung durch Dieselabgase, insbesondere im Leerlauf, wurde dabei aber nicht berücksichtigt. Aber auch Elektrolokomotiven sind nicht unbedingt umweltfreundlich. In einigen Ländern wird der Strom für Elektrolokomotiven aus Dampf erzeugt, der in Kraftwerken gewonnen wird, die mit Kohle betrieben werden.

Die 4-8-8-4 Union Pacific Big Boys gehörten zu den größten jemals gebauten Dampflokomotiven

Die 4-8-8-4 Union Pacific Big Boys gehörten zu den größten jemals gebauten Dampflokomotiven (CC BY-SA 3.0, Link)

Es gibt mehrere Initiativen die Dampfkraft wieder zu beleben

Der drastische Anstieg der Kosten für Dieselkraftstoff veranlasste mehrere Initiativen die Dampfkraft wieder zu beleben. Mehrere historische Eisenbahnen in Großbritannien haben in den 90er Jahren und Anfang des 21. Jahrhunderts neue Dampflokomotiven gebaut. Dazu gehören die Schmalspurbahnen Ffestiniog und Corris in Wales. Die Hunslet Engine Company wurde 2005 wiederbelebt und begann mit dem Bau von Dampflokomotiven auf kommerzieller Basis. Eine LNER Peppercorn Pacific „Tornado“ wurde in Hopetown Works, Darlington, fertiggestellt und am 01. August 2008 in Betrieb genommen. Im Laufe des Jahres 2008 wurde sie mit großem Erfolg in den Liniendienst aufgenommen. Ab 2009 werden mehr als ein halbes Dutzend Projekte zum Bau von funktionstüchtigen Repliken von erloschenen Dampfmaschinen durchgeführt, in vielen Fällen unter Verwendung vorhandener Teile anderer Typen. Beispiele sind BR Klasse 6MT Hengist,[112]. BR Klasse 3MT Nr. 82045, BR Klasse 2MT Nr. 84030,[113] Brighton Atlantic Beachy Head,[114] das LMS „Patriot 45551 The Unknown Warrior“ Projekt, GWR „47xx 4709, BR“ Klasse 6 72010 Hengist, GWR Saint 2999 Lady of Legend, 1014 County of Glamorgan und 6880 Betton Grange Projekte. Diese in Großbritannien ansässigen Neubauprojekte werden durch den Neubau der Pennsylvania Railroad T1-Klasse Nr. 5550 in den Vereinigten Staaten ergänzt, die versuchen wird, den Geschwindigkeitsrekord der LNER-Klasse A4 4468 Mallard nach Fertigstellung zu übertreffen.

„Project 130“ soll der Geschwindigkeits-Weltrekord der A4 4468 Mallard brechen

Im Jahr 2012 wurde das Projekt Coalition for Sustainable Rail in den USA mit dem Ziel gestartet, eine moderne Dampflok mit höherer Geschwindigkeit zu entwickeln, die Biomasse als festen Brennstoff verwendet. Der Brennstoff wurde kürzlich von der University of Minnesota in Zusammenarbeit zwischen dem Institute on the Environment (IonE) der Universität und Sustainable Rail International (SRI) entwickelt, einer Organisation, die den Einsatz von Dampftraktion in einer modernen Eisenbahnanlage untersucht. Die Gruppe hat die letzte überlebende Dampflokomotive der Baureihe ATSF 3460 (Nr. 3463) von ihrem Vorbesitzer in Kansas, dem Great Overland Station Museum, erhalten. Sie wollen sie als Plattform für die Entwicklung der „saubersten und leistungsstärksten Passagierlokomotive der Welt“ nutzen, die eine Geschwindigkeit von bis zu 210 km/h erreichen kann. Unter dem Namen „Project 130“ soll der Geschwindigkeits-Weltrekord der LNER-Klasse A4 4468 Mallard in Großbritannien mit 203 km/h gebrochen werden. Eine Demonstration des Projekts steht jedoch noch aus.

 Buchtipps (Werbung) 

Die schönsten Dampfloks Dampflok: Technik und Funktion Deutsche Dampfloks

Auch interessant

07.12.1835 – Die erste deutsche Eisenbahn nimmt ihren Betrieb auf

 

Quelle: wikipedia.org