Der Opel Kapitän wird 80

Werbung für den Opel Kapitän ´39 (Foto: Opel Automobile GmbH)

Der Opel Kapitän war der Nachfolger des Opel Super 6

Vor 80 Jahren, im November des Jahres 1938, begann in Rüsselsheim die Produktion des Opel Kapitän. Mitte Dezember 1938 wurde der Nachfolger des Opel Super 6 in Rüsselsheim offiziell der versammelten Presse vorgestellt. Das Modell der gehobenen Mittelklasse reihte sich zwischen dem beliebten Kadett und dem repräsentativen Admiral ein und erhielt ebenfalls einen Seemannsnamen. Jeder, der ihn damals zum ersten Mal sah, dachte bestimmt: hier haben Konstrukteure und Designer eine Linie gefunden, die vom Altgewohnten abweicht. Der Opel Kapitän verfügte mit seinem Art déco-Stil und seiner amerikanisch anmutenden Karosserie über ein modernes Erscheinungsbild. Die in die Kotflügel integrierten, sechseckigen Scheinwerfer, die nach oben öffnende einteilige Alligator-Haube und das angedeutete Fließheck mit dem von außen zugänglichen Kofferraum, kamen auch im internationalen Ausland gut an. Mit Ein Wagen, der der Welt gehört, warb Opel für den Kapitän, der als zwei- und viertürige Limousine sowie als zweitüriges Cabriolet mit vier Sitzplätzen angeboten wurde und der sich schnell zum Exportschlager entwickelte. Die Karosseriebaufirmen Gläser in Dresden und Hebmüller in Wülfrath fertigten darüber hinaus in kleiner Stückzahl noch zweisitzige Cabriolets. Bis zur Einstellung der zivilen PKW-Produktion im Oktober 1940, wegen des Zweiten Weltkrieges, wurden 25.374 Fahrzeuge gebaut. Davon wurden rund 13.000 Fahrzeuge ins Ausland geliefert.

Produktion des Opel Kapitän im Werk Rüsselsheim Ende 1938 (Foto: Opel Automobile GmbH)

Der Opel Kapitän hatte eine selbsttragende Ganzstahl-Karosserie

Doch der neue Opel sah nicht nur gut aus, mit selbsttragender Ganzstahl-Karosserie und moderner Antriebstechnik nahm er in dieser Wagenklasse eine technische Vorreiterrolle ein. Dipl.-Ing. Heinz Nordhoff*, technischer Berater der Opel-Verkaufsleitung erklärte am Tag der Kapitän-Vorstellung im Rüsselsheimer Werk: Unter Fachleuten besteht kein Zweifel mehr darüber, dass die selbsttragende Ganzstahl-Karosserie jene Bauform ist, die den Bedürfnissen der Großserienherstellung weitaus am besten entspricht.  Geringes Gewicht und daraus resultierend bessere Fahrleistungen, ein geringerer Verbrauch und höhere Sicherheit für die Passagiere durch eine sichere Fahrgastzelle sind die Vorteile der selbsttragender Ganzstahl-Karosserie gegenüber der damals noch üblichen klassische Bauweise, bei der Chassis und Karosserie miteinander verschraubt waren. Opel hatte bereits mit dem Olympia und dem Kadett Erfahrungen mit selbsttragenden Karosserien sammeln können. Für die Produktion des Kapitän hatte das Unternehmen sechs Millionen Reichsmark in die Produktionseinrichtungen am Stammsitz in Rüsselsheim investiert. Der Opel Kapitän war ein Fünfsitzer, während sein Vorgänger der Super 6 nur ein Viersitzer war. Der Kapitän hatte einen 5 cm längeren Radstand und eine 9 cm breitere Spur als der Super 6, seine vorderen Sitze waren 6,5 cm und seine hinteren Sitze 8 cm breiter.  Aber trotz der Vergrößerung des Wagens in allen seinen Maßen wog er praktisch genauso viel wie der Super 6, ein Ergebnis der selbsttragenden Ganzstahl-Karosserie.

Opel Kapitän ´39 (Foto: Opel Automobile GmbH)

Der Opel Kapitän war für die neu entstehenden Reichsautobahnen konzipiert

Der Opel Kapitän verfügte über hydraulische Bremsen, hatte an der Vorderachse eine unabhängige Vorderradaufhängung mit doppelt wirkenden hydraulischen Stoßdämpfern und eine hintere Starrachse mit zwei längs angeordnete Halbfedern mit  doppelt wirkenden hydraulischen Stoßdämpfern. Dies war 1938 im Automobilbau noch längst nicht selbstverständlich. Der 2,5 Liter große OHV-Reihensechszylinder, dessen hängende Ventile über eine stirnradgetriebene Nockenwelle, Stößelstangen und Kipphebel betätigt wurden, leistete 55 PS. Der Motor war bereits für die damals neu entstehenden Reichsautobahnen ausgelegt, war also autobahnfest und beschleunigte den Kapitän auf eine Höchstgeschwindigkeit von 126 km/h. Diese Höchstgeschwindigkeit war allerdings nicht als dauerhaft fahrbare Reisegeschwindigkeit vorgesehen, Opel gab als dauerhafte Reisegeschwindigkeit 112 km/h an. Von Null auf 70 km/h benötigte der Wagen übrigens 12 Sekunden. Man wird dem Opel Kapitän aber nicht gerecht, wenn man sich nur mit der Aufzählung von Einzelheiten begnügt.

Opel Kapitän 4-türer ´39 (Foto: Opel Automobile GmbH)

Das Armaturenbrett wurde bereits ergonomisch gestaltet

Beim Kapitän  wurden damals Ausstattungsgrundsätze verwirklicht, die auf dem Gebiet des Automobilkomforts und der Karosseriegestaltung ganz neue Wege zeigten. Das Armaturenbrett zeigte zum Beispiel, das die Konstrukteure des Kapitän  als Ziel der Automobilentwicklung nicht die zunehmende Komplizierung sahen, sondern die weitgehende Vereinfachung. Man wollte nicht mit dem Cockpit eines Flugzeuges konkurrieren. Der Kapitän besaß ein schlichtes Armaturenbrett mit einem Geschwindigkeitsmesser und darunter einer kleinen Tankanzeige. Beides lag direkt in Blickrichtung des Fahrers, vor seinen Augen, über der Lenksäule. Mit einem Blick konnte er ablesen, was man für die Fahrt wissen musste: Geschwindigkeit, Benzinvorrat und Kilometerzahl. Zusätzlich zeigten vier Kontrolllampen um den Geschwindigkeitsmesser dem Fahrer an, ob er vergessen hatte, einen Winker (Vorgänger des Blinkers) wieder hereinzunehmen, ob er mit Fernlicht fuhr, ob die Lichtmaschine lud und ob der Öldruck genügte. Zusätzlich gab es in der Mitte des Armaturenbrettes noch eine Zeituhr, die nachts beleuchtet war. Diese Zeituhr war serienmäßig allerdings nur für die viertürige Limousine und das Cabriolet vorgesehen.  Beim Cabriolet war serienmäßig noch ein Zigarettenanzünder dabei. Hinter dem Armaturenbrett hatte man Platz für ein Autoradio gelassen und unter der Zeituhr hat man Aussparungen für die Bedienknöpfe des Radios vorgesehen. Für den Schall-Auslass gab es eine Doppelreihe von Tonschlitzen links und rechts von der Uhr. Gegen Aufpreis wurde ab Werk auch eine Warmwasserheizung mit elektrisch betriebenen Ventilator eingebaut.

Opel Kapitän 4-türer ´39 (Foto: Opel Automobile GmbH)

Technische Einzelheiten des Opel Kapitän ´39 (1938-1940):

Allgemeine Größenangabe:

  • Gesamtlänge 4620 mm
  • Gesamtbreite 1660 mm
  • Gesamthöhe 1575 mm
  • Radstand 2695 mm
  • Spurweite 1348 mm / 1326 mm

Motor:

  • Zylinderzahl 6 in Reihe
  • Bohrung 80 mm
  • Hub 82 mm
  • Hubraum 2473 ccm
  • Leistung 55 PS
  • Hängende Ventile
  • Autothermik-Leichtmetallkolben**
  • abnehmbarer Zylinderkopf
  • Druckumlaufschmierung
  • Ölfassungsvermögen 4 Liter
  • Fallstromvergaser mit Beschleunigungspumpe
  • thermostatgeregelte Gemisch-Vorwärmung
  • Sauggeräuschdämpfer mit ölbenetztem Luftfilter
  • Kraftstofftank hinten, 50 Liter Inhalt
  • Akustisch gedämpfte Auspuffanlage, elastisch aufgehängt
  • elastische Vierpunkt-Motoraufhängung

Kühler:

  • Wasserumlaufkühlung mit Wasserpumpe
  • Drehklappenthermostat
  • Kühlwasserinhalt 11,8 Liter

Lenkung:

  • Lenkraddurchmesser 445 mm
  • Schneckenrollenlenkung
  • Schrägrollenlager zur Lagerung der Schnecke
  • zweireihiges Kugellager zur Lagerung der Lenkrolle

Elektrische Anlage:

  • Fabrikat Bosch
  • Spannung 6 Volt
  • Batterie-Kapazität 75 Ah
  • Batteriezündung
  • Anlasser mit Rollenfreilauf
  • luftgekühlte Lichtmaschine.

Kupplung:

  • Trockene Einscheibenkupplung
  • Kupplungsdrucklager Graphitring

Getriebe:

  • Geräuscharmes Dreiganggetriebe
  • und 3. Gang synchronisiert
  • Übersetzungsverhältnis:
    • Gang 2,94 : 1
    • Gang 1,66 : 1
    • Gang 1 : 1
    • Rückwärtsgang 3,78 : 1

Opel Kapitän 2-türer ´39 (Foto: Opel Automobile GmbH)

Gelenkwelle:

  • Rohrgelenkwelle
  • Kreuzgelenke mit Nadellagern

Hinterachse:

  • Antrieb durch spiralverzahntes Kegelrad
  • Übersetzungsverhältnis 4,30 : 1
  • Ritzel zwischen zwei Lagern, vorn Kugellager, hinten Rollenlager
  • Lederabdichtungen bei Hinterachswelle und Antriebskegelrad
  • Hinterachsfederung:
    • 2 Halbfedern, längs
    • doppelt wirkender hydraulischer Stoßdämpfer

Vorderachse:

  • Unabhängige Vorderradaufhängung, nicht spurverändernd
  • Federung:
    • Schraubenfedern
    • doppelt wirkender hydraulischer Stoßdämpfer
  • Vorderradlager:
    • Schrägkugellager
  • Stabilisator

Opel Kapitän Cabrio ´39 (Foto: Opel Automobile GmbH)

Bremsen:

  • Hydraulische Bremsen; gegossene Bremstrommeln
  • Handbremse wirkt mechanisch auf Hinterräder
  • Handbremshebel an Stirnwand

Räder und Reifen:

  • Stahlblechscheibenräder
  • Reifen 5,55-16
  • 1 Reserverad

Ausstattung:

  • Winker
  • mechanische Scheibenwischer mit Parkstellung, vom Motor angetrieben
  • Tachometer
  • Kraftstoffuhr
  • Kontrolllampen für Öldruck, Scheinwerfer, Winker und Lichtmaschine
  • Lichtschalter
  • verschlossenes Handschuhfach
  • Aschenbecher
  • Fuß-Abblendschalter
  • kombiniertes Zünd- und Lenkungsschloß
  • Rückblickspiegel; Vordersitz mit Schnellverstellung
  • Zugfrei-Entlüftung
  • Zeituhr für viertürige Limousine und Cabriolet
  • Stoßstangen vorn und hinten
  • Zigarrenanzünder beim Cabriolet

Werbung für den Opel Kapitän ´39 (Foto: Opel Automobile GmbH)

Preise  des Opel Kapitän ´39 (ab Werk):

  • 2türige Limousine   RM 3575,-
  • 4türige Limousine   RM 3975,-
  • Cabriolet-Viersitzer  RM 4325,-

1943 wurden noch drei Opel Kapitän hergestellt

Die Produktion aus Auslieferung des Opel Kapitän begann zuerst mit der 4-türigen Limousine, 2-türige Limousine und Cabriolet folgten darauf. Die Produktion ziviler PKW musste Opel im Oktober 1940 auf Anordnung der Reichsregierung völlig einstellen, nur  im Jahr 1943 wurden noch drei Opel Kapitän hergestellt. Während des Zweiten Weltkrieges stellte das Unternehmen Lastwagen für die Wehrmacht her. Im Stammwerk Rüsselsheim wurden neben den Lkws auch Motoren, Teile für Torpedos und Raketen sowie Komponenten für die Junkers Ju 88 und Messerschmitt Me 262 produziert.

Opel Kapitän 4-türer ´48 (Foto: Opel Automobile GmbH)

Werbung von 1949: Die Produktion steigt und Opel liefert auch wieder Kapitäne in Export-Märkte (Foto: Opel Automobile GmbH)

Neuanfang der zivilen PKW-Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges lief am 05. Juli 1946 in Rüsselsheim die Nachkriegs-Fertigung an und ab Oktober 1948 wurde auch der Opel Kapitän wieder gefertigt. Allerdings wurde er jetzt nur noch als viertürige Limousine angeboten und gegenüber dem Vorkriegsmodell unterschied er sich durch runde Scheinwerfer und daran angepasste vordere Kotflügel, sowie an kleinen Detailänderungen wie Stoßstangen mit stärker ausgebildeten Hörnern und  anderen Radkappen. Antriebsseitig blieb mit dem 2,5-Liter-Reihenmotor mit 55 PS und dem Dreiganggetriebe mit Mittelschalthebel alles beim Alten. Bis Frühjahr 1950 wurde 13.036 Stück des Opel Kapitän ´48 gefertigt.

Neues vom Opel Kapitän: Ab 1950 mit Lenkradschaltung und überarbeitetem Interieur (Foto: Opel Automobile GmbH)

1950 bekommt der Kapitän einen überarbeiteten Innenraum

Im Mai 1950 kündigte Opel einen überarbeiteten Kapitän an, er bekam eine damals moderne Lenkradschaltung anstatt des Mittelschalthebels, sowie einen überarbeiteten Innenraum mit neuem Design der Innenverkleidungen und der Polsterstoffe. Die Verdichtung des 2,5-Liter-Motors wurde leicht von 6,0:1 auf 6,1:1 erhöht und die Federung wurde überarbeitet. Von diesem Modell wurden zwischen Mai 1950 und Februar 1951 17.470 Fahrzeuge hergestellt.

Neue Form: Ab 1951 trägt der Opel Kapitän einen neuen Grill, wuchtigere hintere Kotflügel und einen veränderten Kofferraumdeckel (Foto: Opel Automobile GmbH)

1951 erhält der Ur-Kapitän die letzte Überarbeitung

Zum Modelljahr 1951 erfuhr der Kapitän eine weitere Überarbeitung. Die Linienführung zeigte sich repräsentativer, im großzügiger verteilten Chrom spiegelte sich der Zeitgeist von Aufbruch und beginnendem Wohlstand wieder. Der Kapitän ’51 bekam eine neue Front mit neuem wuchtigem Chrom-Grill nach amerikanischen Vorbild, ein ungeteiltes Heckfenster, verlängerte hintere Kotflügel und einen veränderten Kofferraumdeckel für mehr Kofferraumvolumen und einen etwas stärkeren Motor mit 58 PS statt 55 PS für den sämtliche Einfahrvorschriften entfielen. Die Ur-Linie des Kapitän aus den späten 1930 Jahren blieb noch bis 1953 erhalten, als der Nachfolger (Kapitän ‘54) mit mehr Leistung und moderner Ponton-Form erschien. Von März 1951 bis Juli 1953 wurden insgesamt 48.587 Fahrzeuge gebaut. Der Preis betrug Anfang März 1951 9250,- DM und ab dem 01. August 1951 9600,- DM. Der Name Kapitän endete mit der Einstellung der Produktion des Kapitän B im Mai 1970, wo Opel den Namen Kapitän aufgab.

 Buchtipps (Werbung) 

Das Opel Kapitän Buch Opel Kapitän, Admiral, Diplomat Fahrzeug-Chronik 1899-1951

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Quelle: Opel Automobile GmbH

* Heinrich Nordhoff war ab 1948 Generaldirektor der Volkswagenwerk GmbH und ab 1960 Vorstandsvorsitzender der Volkswagenwerk AG.

** Bei Autothermik-Kolben war innen ein Stahl-Streifen eingegossen um das Durchmesserwachstum des Kolbens beim Erwärmen zu begrenzen.